50 Jahre Arbeitskreis Entwicklungshilfe


Altkleider-Sammlungen für Südamerika


1968/69, während des Biafra-Krieges, entschloss sich eine Gruppe Jugendlicher aus den Gemeinden St. Theresia und St. Josef, in Biafra mit dem Erlös einer Altpapiersammlung zu helfen. Zeitgleich gab es bei der KAB St. Josef eine Gruppe, die sich mit dem Thema Entwicklungshilfe beschäftigte. Beide Gruppen zusammen setzten sich das Ziel, sich selbst über die Lage in den Entwicklungsländern zu informieren und diese Informationen an andere weiterzugeben und außerdem Entwicklungshilfeprojekte mit dem Erlös von regelmäßigen Altpapiersammlungen zu unterstützen. Die Idee fand viel Zuspruch im Stadtteil und mit viel Arbeit und Arbeitseinsatz stellte sich bald Erfolg ein. Mitarbeitende jeglichen Alters stießen zu der Gruppe, denn christliches Verantwortungsbewusstsein war bei allen wach geworden.

Von 1970 an sammelte der Arbeitskreis bis einschließlich 1990 über 3.200 Tonnen Altpapier und ab 1973 bis heute über 625 Tonnen Altkleider – jeweils bei 3 Straßensammlungen und 9 Container-Sammlungen im Jahr bzw. ab 2014 bei monatlichen Abholdiensten.

Seit 1997 ist der Arbeitskreis Entwicklungshilfe dem Dachverband FairWertung angeschlossen, einem Netzwerk von Organisationen, die sich für mehr Transparenz beim Textilrecycling einsetzen. FairWertung hat Kriterien für das faire Sammeln und Vermarkten von Gebrauchtkleidung entwickelt. Das Aufklären über unseriöse Sammelmethoden ist zu einem Arbeitsschwerpunkt des Dachverbandes geworden. „Jeder sollte bei einer Kleidersammlung genau hinschauen, wer dahintersteckt. Denn beim Sammeln und Vermarkten von gebrauchter Kleidung ist nicht immer alles so, wie es auf den ersten Blick scheint. Deshalb ist es wichtig, sich gut zu überlegen, wem man seine Textilien überlässt. Hier ist bewusstes Handeln gefragt“, weiß Andreas Voget, der Geschäftsführer des Dachverbandes FairWertung e.V.

Der Erlös der Sammlungen kam Menschen in Asien, Afrika und vor allem Südamerika zugute – gefördert wurden bereits Projekte von einer Trinkwasserversorgung in Indonesien und Bolivien über Motorräder für brasilianische Gesundheitshelfer, Einrichtung einer kunstgewerblichen Textilwerkstatt für Frauen in Peru bis hin zu Unterstützung eines Kindergartens in Südafrika. Bis heute noch werden die „Wegrandsprechstunde“ in der Umgebung von La Paz (eines der ersten Projekte) und ein Kinderzentrum in Brasilien unterstützt. Der Arbeitskreis gab Starthilfen, die es den Empfängern ermöglichen, Existenzen aufzubauen und dann aus eigener Kraft weiter zu machen.

Jetzt ist diese Ära zu Ende! Nach 50 Jahren werden die Mitglieder des Arbeitskreises am 04. Januar und 01. Februar 2020 letztmalig Gebrauchtkleidung nach telefonischer Anmeldung abholen.

Aber wer weiß? Vielleicht gibt es eine Gruppe, die diese Arbeit weiter machen möchte. Uns jedenfalls hat es viel Freude gemacht, unser Bewusstsein für unsere „Eine Welt“ wurde gestärkt und von den persönlichen Kontakten und Begegnungen werden wir noch lange sprechen.

Marion Antoni, Paul Bordin, Manfred Buchta, Günter Busch, Tina Dubbert, Hildegard Laskowski (Tel. 621000).

 

 

Altkleidersammlung
Besuch in Brasilien
Besuch in Brasilien

 

Urheberrechte der Fotos: Günter Busch