Denkanstöße für den Alltag

In dieser Abteilung möchten wir Ihnen nicht nur den spiri.IMPULS, einem Faltblatt, dass sich besonders an die Jugend richtet, anbieten. In regelmäßigen Abständen werden interessante Anstöße zu Ihrem Glaubensweg im Alltag erscheinen. So bieten wir Ihnen z.B. Predigten aus der letzten Zeit oder einen aktuellen Impuls zu einem Thema.

 

 

10.06.2018

Gott voll und ganz vertrauen

Bild: G. Beck

 

Lesen Sie bitte zunächst in der Bibel aus Mt 14, 22-33

 

Wie geht das?

Kann ich wirklich Gott auf diese radikale Weise meine wichtigen Fragen anvertrauen und darauf vertrauen, dass es der Herr gut mit mir meint und mir Hilfestellung gibt, die richtige Entscheidung zu treffen?

So ein kurzer Satz und doch rüttelt er an meinen Grundfesten. Habe ich mein Leben nicht so organisiert, dass ich selbstbestimmt handele und auch die Konsequenzen meines Handelns zu tragen habe? Je länger ich über diesen Satz nachdenke, umso mehr Fragen werfen sich auf.

Mir kommt eine Bibelstelle in den Sinn, als Jesus über das Wasser des vom Sturm aufgepeitschten Sees zu den Jüngern in ihrem Boot zukam. Petrus wollte dem Herrn entgegengehen und sagte, dass Jesus es ihm befehlen solle. Daraufhin fasste Petrus sich ein Herz, vertraute dem Worte Jesu, und stieg aus dem Boot und setzte seinen Fuß auf das Wasser. Dieses trug ihn tatsächlich und er konnte sich auf dem Wasser halten, bis, : Als er dann aber die hohen Wellen sah, bekam er Angst. Er begann zu sinken und schrie: „Hilf mir, Herr!“ Sofort streckte Jesus seine Hand aus, fasste Petrus und sagte: „Du hast zu wenig Vertrauen! Warum hast du gezweifelt?“ (Mt 14, 30-31 Gute Nachricht Bibel)

Was für eine skurrile Situation. Die sitzen da zusammen in dem Boot und kämpfen gegen den Sturm und die Wellen. Sie haben alle Hände damit zu tun, dass das Boot nicht kentert. Und dann spaziert da jemand einfach so, als wäre nichts dabei, auf dem See herum und kommt direkt auf sie zu. Dann erkennen sie ihn. Okay, wir haben ja schon eine ganze Menge toller Sachen mit ihm erlebt. Aber damit hatten wir nicht gerechnet, als er uns aufgefordert hat ihm voraus zu fahren. Dass er uns zu Fuß hinterherkommt. Wow! Aber jetzt ist nicht die Zeit und nicht der rechte Ort verwundert zu sein. Keine Zeit zu Fragen. Jetzt geht es ums eigene Leben. Die geringste Unaufmerksamkeit kann das Ende für uns bedeuten.

Wie oft bin ich allzu leicht bereit, meine christlichen Werte über Bord zu werfen, wenn es um das nackte Überleben geht? Wenn es z.B. darum geht, Hab und Gut zu verteidigen oder das Wohlergehen der Familie angegriffen ist.

Aber Petrus hört auf sich um das Boot und um die Gefahr zu kümmern. Er hat nur noch Augen für den Herrn. Und er sagt diesen erstaunlichen Satz: „Herr, wenn du es bist, dann befiehl mir, auf dem Wasser zu dir zu kommen!“. Wie groß muss das Vertrauen in Jesus sein, ein derartiges Unterfangen, über dass Wasser zu gehen, allein auf die Zusage von Jesus hin in Angriff nehmen zu wollen. Da setzt doch der normale Menschenverstand aus. Und obwohl alle denken müssen, dass Petrus verrückt geworden ist, verlässt er den letzten Halt, den die Jünger wähnten und geht auf Jesus zu.

Wie oft suche ich den sicheren Ort und wagen nicht den Schritt in eine ungewissen Zukunft. Auch dann nicht, wenn ich von den Zielen, die ich vor Augen sehen überzeugt bin und mein Herz sich danach sehnt. Ich verlassen mich lieber auf das, was mich bisher getragen hat und will oft nicht wahr haben, dass die Zeiten sich geändert haben und etwas Neues ansteht.

Petrus zeigt: man muss nicht verrückt sein, um sich auf Gottes Wort zu verlassen, auch wenn es uns eigentlich unmöglich scheint. Das Wasser trägt ihn. Es trägt ihn wirklich. Petrus geht über das Wasser, obwohl er weiß, dass es eigentlich unmöglich ist. Wer auf das Wort und die Zusage Jesu vertraut, wird nicht enttäuscht. Das ist eine so schöne und tiefe Erfahrung, wenn er jetzt unterginge und sterben würde, er würde glücklich sterben.

Aber wirklich sterben will er nun auch wieder nicht und die Zweifel kommen wieder hoch. Wie lange wird es gutgehen? Geht der nächste Schritt in die Tiefe? Reißt mich die nächste Böe um? Mit jedem dieser Gedanken wachsen die Zweifel. Und mit dem wachsenden Zweifel verschwindet das Vertrauen mit der Folge, dass das Wasser ihn nicht mehr trägt und Petrus zu versinken droht.

Warum kann ich dem Zweifel so oft nichts entgegensetzen? Er schleicht sich in meine Gedanken und beginnt sein zerstörerisches Werk. Habe ich nicht allen Grund vertrauensvoll in die Zukunft zu sehen? Habe ich nicht schon oft erfahren, dass mir gerade dann unerwartet Hilfe zuteil wurde, als ich sie so nötig hatte?

Doch Jesus lässt es nicht zu, dass Petrus versinkt und reicht ihm die rettende Hand. Das ist mal eine Pointe. Wenn alle Stricke reißen, Jesus lässt uns nicht fallen. Es kann uns bewusst werden, dass wir, wenn wir ihm voll und ganz vertrauen, niemals tiefer fallen können, als in seine rettenden Arme.

Jedoch, das ist kein Freibrief, einfach wild drauflos in blinden Aktionismus zu verfallen. Wir sollten uns schon bemühen, bei unseren Aktionen darauf zu achten, dass wir nicht nur unsere eigenen Ideen verfolgen. Als Arbeiter im Weinberg des Herrn muss uns immer daran gelegen sein, dass Sein Wille Wirklichkeit wird. Darum tragen wir unser Anliegen immer wieder im Gebet vor Gott und achten darauf, was der Herr uns dazu mitzuteilen hat.

Dann, und genau dann, können wir es wahrhaftig wagen die Kontrolle über unser Leben abzugeben um dem Herrn die Führung zu überlassen. Seine Möglichkeiten, selbst in ausweglosen Situationen einen guten Weg zu finden, sind ungleich größer als die meinen. Sich hier auf Ihn zu verlassen ist nicht blauäugig, sondern eine gute Wahl. Allein unser eigener Zweifel kann hier noch das Schiff uns taumeln bringen. Doch selbst dann können wir uns gewiss sein, das Seine Hand nicht fern ist und uns rettet.

Herr, Du siehst mein Herz und kennst mich durch und durch. Ich möchte mich Dir immer mehr anvertrauen, weil ich weiß, dass, wenn ich mich nur auf mich selbst verlasse, immer wieder scheitern muss. Hilf, dass mein Vertrauen in Dir wachsen kann, dass ich immer mehr darauf bauen kann um mutige Schritte in die Zukunft zu gehen. Ich möchte Deinen Willen tun, weil ich weiß, dass es stets zu meinem Besten ist. Es tut so gut, zu wissen, dass Du mich hältst, wenn sich Zweifel in meine Gedanken einschleichen. Nimm diese Zweifel von mir, damit ich Dir voll und ganz vertrauen kann. Amen.

Ich möchte noch einen persönliches Beispiel anführen, an dem ich erfahren durfte, wie der Herr uns beisteht und dort Gelingen schenkt, wo wir es selbst nicht in der Hand haben.

Als wir damals in der Liebfrauengemeinde den erste Internationale Gottesdienst zum Pfingstfest, dass wir seit einigen Jahren feiern, vorbereitet haben, hatten wir uns eine Menge vorgenommen. Jedoch, wir waren nur 3 Leutchen in der engeren Vorbereitung. Je näher der Termin herankam, umso mehr wurde deutlich, dass wir viele Faktoren nicht genug bedacht hatten bzw. auch gar nicht beeinflussen konnten. Klappt es mit der Kinderbetreuung? Haben wir genug Würstchen geordert? Lassen sich überhaupt Menschen zu diesem Fest ansprechen und werden kommen? Und wie wird das Wetter? Die Liste wurde immer länger und wir waren nahe dran uns entmutigen zu lassen. Schließlich haben wir das weitere Gelingen im Gebet in Gottes Hand gelegt. Uns wurde klar, dass wir es absolut nicht in der Hand hatten. Niemand konnte auch nur halbwegs anwendbare Prognosen aufstellen, an denen wir uns orientieren konnten. Ich weiß noch, wie ich mit meinem Hauskreis darum gebetet habe, dass der Heilige Geist jenes dazu tun würde, was wir selbst nicht leisten konnten.

Was soll ich sagen? Das Pfingstfest wurde eine rundum gelungene Veranstaltung und ich danke dem Herrn heute noch für seine Führung und sein Dazutun.

Aufgrund der aktuellen Entwicklung rückt dieses Pfingstfest jetzt wieder in den Fokus der Gemeinde. Da das Gemeindefest in diesem Jahr ausfallen muss (die Gründe dafür sind wohl allen bekannt) wird überlegt, dieses Pfingstfest im nächsten Jahr mit neuem Schwung erstarken zu lassen. Es könnte ein Fest der Begegnung für die ganze Gemeinde werden, bei dem sich jung und alt aus vielerlei Nationen trifft und in Gemeinschaft feiert. Aus der Ohnmacht, dass uns bewusst wird, dass wir ein Gemeindefest in alter Form nicht mehr stemmen können, wird eine neue Idee geboren und bringt frischen Wind in unsere Reihen. Lassen Sie uns Gott dafür danken, dass er uns wieder einmal die Hand reicht, als wir dachten, es geht etwas unwiederbringlich verloren und uns einen neuen Weg weist.

Ich bitte Sie deshalb, das geplante Fest der Begegnung zu Pfingsten in Ihre Gebete einzuschließen. Fragen Sie Gott danach, was Er mit seiner Gemeinde im Sinn hat und wie wir dieses Fest ausgestalten sollen. Fragen Sie Ihn welchen Platz Sie dabei einnehmen sollen und wie Sie sich beteiligen können. Denn eines ist Gewiss: Gott schaut in Liebe auf unsere Gemeinde und auf jede*n Einzelnen. Wenn wir es zulassen, wird er uns führen und dem Projekt Gelingen schenken.

Darauf können wir voll und ganz vertrauen.

Ihr Günter Beck

02.04.2018

April April: „Glockenturm St. Clemens von Jugendlichen besetzt“

Sind Sie drauf reingefallen? - Das freut natürlich, denn zu diesem Zweck wurde dieser kleine Aprilscherz für Sie ausgedacht. Hier noch einmal der Text, den Sie auf unserer Pfarrei-Homepage am 1. April lesen konnten:

In der Osternacht vom 31. März auf den 1. April besetzte eine bislang unbekannte Anzahl junger Glaubensaktivisten den Glockenturm der Stadtkirche St. Clemens in Sterkrade. Sie verbarrikadierten den Zugang und hingen ein Transparent an die Fassade mit der Aufschrift: „Gal 3:28“.

Über die Hintergründe und Ziele dieser Gruppe ist bislang noch nichts bekannt geworden. Der Raum um den Glockenturm wurde weiträumig abgesperrt. Ein abgesicherter Zugang zur Kirche wurde eingerichtet, so dass die Besucher weiterhin in das Gotteshaus gelangen können. Propst Fabritz weist ausdrücklich darauf hin, dass keine Gottesdienste in der Osterzeit ausfallen müssen. Sobald sich die Situation verändert werden wir Sie ausführlich an dieser Stelle informieren.

Ich möchten nun im Nachklang diesen Scherz noch einmal nutzen, um auf ein inhaltlich interessantes Detail hinzuweisen.

In dieser Fake-News ist die Rede von einer Gruppe junger Menschen, die aus ihrem beschützten Dornröschenschlaf erwacht sind und aktiv werden. Mit Nachdruck unterstreichen Sie ihre Forderung, die sie mit einem Bibelvers proklamieren.

Hallo! Merken Sie was? Okay, mit der Besetzung gehen sie sicher für viele von uns ein Stück zu weit. Aber lassen wir es uns einmal auf der Zunge zergehen was da steht: „Jugend – Kirche - aktiv - fordernd – argumentieren mit der Bibel“ Ich finde das Bemerkenswert. Ich möchte jetzt nicht darauf hinaus, dass unserer Jugend vor Ort ein solches Ding nicht zuzutrauen sei. Ganz im Gegenteil. Es geht mir im wesentlichen darum, aufzuzeigen, was Jugend in einer Gemeinde sein kann. Welchen hohen Wert junge Menschen in der Gemeinde darstellen.

Jugend muss auch mal provozieren. Jugend darf auch mal mit ihren Aktionen über das Ziel hinausschießen. Das darf Jugend nicht nur, das soll sie sogar.

Denn dadurch wird die Erwachsenenwelt immer wieder herausgefordert, über ihr etabliertes Verhalten nachzudenken. Jugendlicher Leichtsinn als Korrektiv in eingefahrenen Situationen des Gemeindelebes. Durch das Infragestellen der Jugend müssen sich die älteren Gemeindemitglieder immer wieder von ihrer gemütlichen Coach herunterholen lassen um ihre festgetretenen Gedankenmuster zu überprüfen.

Im Ergebnis führt dies dazu, dass die Gemeinde als Gesamtorganismus jung und flexibel bleibt. Nur so kann die Aufgabe, das Evangelium in einer modernen Zeit zu verkünden, überhaupt erst gelingen. Wir brauchen also nicht nur eine Jugend damit auch in Zukunft in der Gemeinde noch irgend jemand vorhanden ist. Wir brauchen hier und jetzt mutige und frei auftretende Jugendliche in unseren Gemeinden, die mit Herz und Verstand ihre Sache und damit die Sache Jesu vertreten. Auch wenn dabei einmal etwas zu Bruch geht, dieses Risiko müssen wir als Gemeinde gemeinschaftlich tragen. Indem wir unsere Jugend dabei unterstützen, sich Jesus hinzuwenden und einen Lebensstil anzunehmen, in dem sie ihm nachfolgen, bleiben wir als Erwachsene selbst im Herzen jung. Dies bewirkt, dass Jesus auch in unser Herz Einzug hält und uns zur sprudelnden Quelle des Lebens wird.

An dieser Stelle muss auch mal eine Frage erlaubt sein, die ich hier als Denkanstoß in den Raum stellen möchte:

Was tun wir in der Pfarrei St. Clemens Sterkrade dafür, dass es gelingen kann, dass Jugendlichen von der Botschaft des Evangeliums berührt und ergriffen werden, damit sie mutig und engagiert dem Beispiel Jesu folgen können? Dass Jugendliche sich dafür entscheiden können, das Jesus in ihrem Leben eine wichtige Rolle spielt. Dass sie in ihrem Alltag den Weg mit Jesus an ihrer Seite gehen wollen.

„Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht männlich und weiblich; denn ihr alle seid einer in Christus Jesus.“

In Ergänzung zu diesem Zitat aus Gal 3,28, das auf dem Transparent der Jugendlichen prangte, möchte ich hinzufügen: „… nicht Junge und Alte …“ - denn wir brauchen einander.

Ihnen eine gesegnete Osterzeit. Mit freudigem Herzen auf dem Weg in eine Zukunft, in der uns der Herr selbst leiten will.

 

herzlichst, ihr Günter Beck

 

 

04.03.2018

Gewaltausbruch an kirchlicher Kultstätte

Bild: Taki Steve (CC BY 2.0)

 

Lesen Sie bitte zunächst in der Bibel aus Joh 2, 13-25

 

Jesus randaliert im Tempel!

Jetzt ist er total ausgeflippt. Einerseits passt es so gar nicht in das Bild des Liebe predigenden Wanderrabbis. Andererseits aber auch wieder doch. Denn so richtig vorhersehbar sind seine Aktionen nie. Plötzlich lädt er sich selbst zum Essen bei einem Zöllner ein und zieht den Unbill eines großen Teils seiner Anhängerschaft auf sich. Dann wieder lässt er sich von einer Dirne verwöhnen und nimmt dabei in Kauf, dass sie dazu das äußerst kostbare Öl gewissermaßen verschwendet – einfach mal so. Was immer er gerade tut, eines scheint sicher: Seine Taten verwundern und lassen aufhorchen. Dass Jesus dabei keiner Auseinandersetzung aus dem Wege geht, wissen wir von vielen Auseinandersetzungen mit den Pharisäern und Schriftgelehrten. Aber dass es dabei handgreiflich wird, das ist neu.

Ich möchte verstehen, wie es dazu kam, dass Jesus in dieser Situation zu einem solch drastischen Mittel greift. Ihm sollte doch klar gewesen sein, dass, spätestens dann, wenn Jesus diesen Ort wieder verlasen hat, sich die alten Zustände wieder einfinden würden. Mir wird nicht wirklich klar, warum er hier anders handelt, als wir das von ihm „gewohnt“ sind. Sind die Schlagkraft und Schärfe seiner Worte in der Vergangenheit nicht deutlich effektiver und nachhaltiger?

Ich denke, ich muss mich der Situation noch einmal anders nähern. Hier geht es nicht um eine theologische Diskussion, in die Jesus verstrickt werden soll um ihm ein Bein zu stellen. Hier bricht eine Emotion frei heraus, scheinbar ohne Vorwarnung. In diesem Moment interessiert mich weniger, ob die Vertreibung der Händler sachlichen Argumenten standhält und theologisch begründbar ist. Mich interessiert die Sprengkraft, das Beben, das in der Luft schwebt. Ein Funke genügt und das Fass läuft über, die Spannung explodiert, die Emotionen kochen über.

Dazu muss ich mich ganz nah zu Jesus stellen. Muss mich in seine Situation versetzen, um nachspüren, wie es in ihm ausgesehen haben mag. Welchen Spannungen sein Seelenleben ausgesetzt war.

Als gefeierter Superstar betritt Jesus die Straßen Jerusalems. Hier tobt der Bär, hier brodelt die Macht, hier pulst das Leben. Er wird gefeiert und man lässt ihn hochleben. Die Jünger befinden sich in einem euphorischen Allzeithoch.

Und Jesus? Bei Jesus schwingt noch etwas Anderes mit. Ihm ist bewusst, dass der Einzug in Jerusalem nicht der Anfang eines triumphalen Siegeszuges ist. Hier soll es sich entscheiden. Hier soll die Schrift sich erfüllen, der Wille des Vaters soll geschehen. Hier wird das Lamm zur Opferbank geführt. Und dieses Lamm, ist er selbst. Nur noch wenige Tage und die selben Menschen, die ihn gerade hochleben lassen werden rufen: „Ans Kreuz mit ihm! Ans Kreuz mit ihm!“

In dieser aufgewühlten Stimmung, hin und hergerissen, himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt, betritt Jesus den Vorhof des Tempels. Er will beten, ganz nah beim Vater sein. Mit ihm reden, denn der Weg, den er gehen muss, ist schwer. Sehr schwer. Eigentlich nicht von einem Menschen allein zu bewältigen. Doch er will ihn gehen, weil es der Wille seines Vaters ist. Weil er die Menschen liebt, die ihm zu Brüdern und Schwestern geworden sind.

Denn die Menschen können es nicht aus eigener Kraft schaffen den Abgrund zu überwinden, der zwischen den ihnen und ihrem liebenden Vater klafft. Immer wieder fallen sie in alte Verhaltensmuster zurück, denken an ihren eigenen Vorteil und tun nicht das, was die Liebe gebietet. Die Schuld, die sie mit sich herumschleppen wird sie zerdrücken und bringt ihnen letztlich den Tod.

 

"Doch sie sollen das Leben haben. Das Leben, dass ihnen nur mein Vater im Himmel schenken kann. Und sie sollen das Leben in Fülle haben, weil der Vater sie so unendlich liebt. Darum muss! ich diesen Weg gehen. Diesen schweren Weg, der mich ans Kreuz führen wird, an dem ich qualvoll hingerichtet werde. Ich würde es nicht tun, wenn ich nicht genau wüsste, dass es sich lohnt. Am Ende wartet auf alle, die an mich und den Vater glauben, das Ewige Leben. Ich muss unbedingt mit ihm reden. Ich muss in diesen Tempel und ihm nahe sein. Damit er meinem Herzen Ruhe schenkt, denn ich bin so unendlich aufgewühlt."

 

So in etwa stelle ich mir die Situation vor, in der sich Jesus unmittelbar vor der Aktion im Tempel befand. Denn er wusste es. Er allein wusste es. Jetzt ist nicht die Stunde um zu feiern, Es ist die Stunde des Gebets. Und was trifft er stattdessen vor? Wir kennen die Szene und ich wundere mich jetzt auch nicht mehr, wie es zu diesem emotionalen Ausbruch Jesu kommen konnte. Es hätte viel mehr verwundert, wenn es nicht dazu gekommen wäre und er einfach cool geblieben wäre.

Herr, ich kann Dir gar nicht genug danken, welch großes Opfer Du für mich erbracht hast, als Du für meine Schuld diesen schweren Weg gegangen bist. Du bist nicht in diese Situation herein gestolpert, sondern bist diesen Weg mit vollem Bewusstsein für mich und alle Menschen gegangen. Durch Deinen Tod hast Du den Weg für mich frei gemacht, damit ich mich in die liebenden Arme des Vaters fallen lassen kann. Schenke mir ein liebendes Herz, damit ich nach Deinem Vorbild auf meine Mitmenschen in Liebe zugehen kann. Ich will Dein Diener sein und dazu beitragen, dass Deine Liebe in dieser Welt sichtbar wird. Gib mir dazu die Kraft, denn aus Dir entspringt der Quell allen Lebens. Amen.

Ihr Günter Beck

25.02.2018

Niemals geht man so ganz

Bild: Veronika Segler

 

Haben Sie schon einmal einen bunten Hund gesehen? - Ich auch nicht, aber es soll ja Menschen geben, die jeder in der Gemeinde kennt. Der eine etwas mehr, der andere etwas weniger. Wieder andere haben nur etwas von dieser Person gehört.

Ein solcher Mensch war sicher auch Veronika Segler in unserer Gemeinde. Viele haben sie auch näher kennen gelernt und sind ein Stück des Weges mit ihr gegangen.

Dies soll jetzt aber kein Nachruf auf Veronikas Leben werden, denn nach wie vor ist sie in unserer Erinnerung und in unseren Herzen so präsent wie zu ihren Lebzeiten. Ein Stück weit scheint es so, sie sei gar nicht von uns gegangen, sie lebt noch unter uns. Aber wir müssen auch loslassen können.

Denn Veronika hat sich auf den Weg gemacht, den Herrn zu schauen, der sie in seiner überreichen Liebe empfängt. Veronika ist in genau dieser Gewissheit, mit aufrechtem Gang, durch das Tor des Todes gegangen. Am Ende ihres irdischen Lebens legt sie eine Stärke und Würde an den Tag, der uns staunen lässt. Mehr noch, es rührt unser Herz an und lässt uns fragen, wie es mit unserem eigenen Glauben und unsere eigene Zuversicht auf das Reich Gottes bestellt ist.

Viel zu oft schleichen sich Zweifel in unser Denken. Warum fällt es uns so schwer den Worten Jesu voll und ganz zu vertrauen? „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben ...“? Wenn er weiter sagt: „ ... niemand kommt zum Vater außer durch mich.“ zeigt er uns zudem auf, wie wir das erreichen können, was wir aus eigener Kraft nicht schaffen, nämlich zu unserem Vater im Himmel zu gelangen. Indem wir an das Heilswerk Jesu, dass er durch seinen Tod am Kreuz für uns erbracht hat, glauben. Er hat den unüberbrückbaren Weg zum Vater für uns frei gemacht, damit wir, die es eigentlich nicht verdient haben, das ewige Leben in Fülle haben. Wenn uns das bewusst wird, wird uns zugleich klar, wie groß die Liebe unseres Herrn zu jeden einzelnen von uns Menschen sein muss. Denn wie, außer als einen Akt überquellender Liebe, lässt sich dieses Opfer erklären, dass er das Leben seines einzigen Sohnes hingibt.

 

Herr, mache mich stark im Glauben an Dein Heil. Du willst für mich das Beste und das sagst Du mir schon zu Lebzeiten zu. Mache mich bereit mich von Dir verändern zu lassen, damit sich nichts mehr zwischen Dir und mir befindet, was uns trennt. Ich danke Dir, dass ich Deine Tochter Veronika kennen lernen durfte. An ihr kann ich ablesen, wie gut und heilsam es ist, sich ganz und gar Deiner Obhut anzuvertrauen. Schenke auch mir dieses bedingungslose Vertrauen, denn ich weiß, dass ich es selbst nicht fertig bringe mein Leben in den Griff zu bekommen. Du schenkst Heil und Wärme. Bei Dir bin ich geborgen.

Amen.

 

Laden Sie bitte dazu auch folgende Dokumente herunter:

 

Günter Beck

 

05.02.2018

Rede Herr, dein Diener hört

Bild: Eirik Newth (CC BY 2.0)

 

Lesen Sie bitte zunächst in der Bibel aus 1. Samuel 3, die Verse 1-10

 

Das dritte Kapitel aus 1. Samuel beschreibt die erste Erfahrung Samuels, wie Gott zu ihm redet. Im ersten Teil lesen wir, wie er die Stimme Gottes vernimmt, aber annimmt, es sei Meister Eli, bei dem er zu Diensten angestellt ist. Der zweite Teil befasst sich mit Gottes Wort und wie Samuel damit umgeht. Schließlich bedeutet uns der Text, dass es ab dann immer wieder zu solchen Prophezeiungen kommen sollte. Da Gott alle Vorhersagen wahr werden ließ, achtete das Volk den Samuel sehr.

 

Es ist wohl eine verbreitete Meinung, wenn es darum geht, mit Gott ins Gespräch zu kommen, dass man sich zunächst vornimmt, jetzt zu beten. Der Katholik bekreuzigt sich und legt los. Oft ist es ein vorgefasstes Gebet, dass wir auswendig kennen. Zum Schluss ein Amen und das Gebet ist beendet.

 

In modernen Worten in drei Punkten zusammengefasst:

  • Kreuzzeichen – Verbindung wird aufgebaut
  • Gebet sprechen – Information fließt in Richtung Gott
  • Amen – Verbindung wird beendet

 

Fehlt da nicht etwas Entscheidendes? Bei dieser Form des Gebets kann nicht wirklich von einem Gespräch zwischen Mensch und Gott gesprochen werden, handelt es sich doch um eine recht einseitige Kommunikation. Gott kommt irgendwie dabei gar nicht zu Wort. Der Beter textet Gott mit seinen Anliegen zu, lädt bei ihm seine Sorgen und Nöte ab und hängt unter Umständen auch noch ein paar Bitten hintendran. Wunderbar, Gott weiß jetzt Bescheid. Ob jetzt was passiert oder nicht, bleibt ungewiss, da die Wege des Herrn ja bekanntlich unerforscht sind.

Der junge Samuel hat das vielleicht auch so gelernt und hat eine ähnliche Gebetsform praktiziert. Das Gott zu ihm persönlich sprechen würde, hat er sicher niemals in Erwägung gezogen. Aber Gott hat mit ihm etwas vor. Er wartet nicht darauf, bis Samuel vielleicht selber auf die Idee kommt, dass er (Gott) ihm etwas mitzuteilen haben könnte. Gott macht den Anfang und ruft Samuel mit seinem Namen an.

Und dieser hört auch das an ihn gerichtete Wort, nimmt aber an, dass Eli, sein Meister ihn gerufen habe. Was auch sonst? Da ist ja auch außer ihm niemand da, der zu ihm gesprochen haben könnte. Schließlich erkennt Eli, dass Gott es sein muss, der an Samuel das Wort gerichtet hat und gibt dem Jungen den entscheidenden Tipp: „Wenn er dich ruft, dann antworte: Rede, HERR; denn dein Diener hört.“

Und tatsächlich, durch diese Formel gelingt der Aufbau einer anderen Kommunikation. Hier redet nicht der Mensch allein und Gott hört zu. Hier redet Gott der Herr und Samuel hört ihm zu.

Ich glaube, dass Gott nicht nur damals zu Samuel oder den anderen Propheten geredet hat. Gott redet auch heute noch zu uns Menschen. Nicht nur im allgemeinen z.B. durch sein Wort in den Lesungen der Heiligen Messe. Er spricht auch ganz persönlich zu Dir und mir. Aber oftmals hören wir das Wort unseres Herrn, das speziell an uns gerichtet ist, nicht oder wir erkennen nicht, dass es der Herr ist, der zu uns spricht. In unserer lauten Welt geht das leise Wort schnell unter. Viele haben noch nie davon gehört, dass Gott auch zu ihnen persönlich sprechen würde. Aber man kann es lernen, das hören auf Gottes Stimme, so wie Samuel es gelernt hat, als Eli ihm den entscheidenden Hinweis gab.

Wenn es aber so ist, dass Gott zu mir sprechen möchte, und ich das aber noch nie erfahren habe, kann ich mir überlegen, dass ich vielleicht genauer hinhören muss, ob Gott mir etwas mitzuteilen hat. Ich muss mir eine Chance geben, dass ich das Wort höre und es als das Wort meines Herrn identifizieren kann. Aber wie? Wie kann ich lernen, Gottes Sprechen zu mir zu hören?

Es gibt sicher viele Wege, um sich selbst bereit zu machen, dass Gottes Wort uns erreicht und in uns wirken kann. Ich möchte hier eine sehr einfache Art und Weise vorstellen, die an gewohntes anknüpft und Raum lässt, in dem vieles passieren kann. Auf jeden Fall scheint es mir einen Versuch wert.

 

So können wir beten:

  • Kreuzzeichen – Ich mache mich bereit. Gott möchte mit mir ins Gespräch kommen. Ich kann mit ihm über alles reden, was mir auf dem Herzen liegt. Auch Gott möchte mir etwas mitteilen. Auf sein Wort zu hören, dazu bin ich bereit.
  • „Rede Herr, dein*e Diener*in hört“ – Ich spreche diese Worte und werde still vor Gott, denn in der Welt ist es laut genug. In der Stille bekomme ich die Chance Gottes Wort an mich zu erfahren. Das kann ein kurzer Gedankenimpuls sein oder eine wörtliche Rede. Ich lasse mich überraschen von seiner Stimme. Auch wenn ich jetzt nichts besonderes spüre, vielleicht erkenne ich im Nachhinein, dass Gott zuletzt zu mir geredet hat.
  • Gebet sprechen – Ich habe jetzt vielleicht das Bedürfnis, eigene Worte an Gott zu richten. Aber auch ein vorgefasstes Gebet wie das Vaterunser ist sicher eine gute Wahl. Ich spreche mit Gott über meinen Alltag, was mich bewegt hat und was mich beschäftigt. Gott ist an mir interessiert und will an allem was ich tue teilhaben.
  • Amen – Ich beschließe mein Gebet mit dem Bekenntnis, dass Gott mein Herr ist und mir Gutes will, weil er mich liebt.

Vielleicht ist es eine Gute Idee, diese Form des Betens einmal in der folgenden Fastenzeit auszuprobieren. Machen Sie 40 Tagen Ihre persönlichen Erfahrungen. Wenn Sie dass Gefühl haben, Gottes an Sie gerichtetes Wort empfangen zu haben, vertrauen Sie darauf, das es wahr ist und nehmen diesen Impuls mit in Ihren Alltag. Sprechen Sie mit anderen über Ihre Erfahrungen, denn  nur im Austausch mit Ihren Brüdern und Schwestern bekommen Sie Klarheit darüber, was Gott Ihnen sagen will.  Auf diese Weise kann, durch das Gebet, Ihr ganz normales Leben zu einem Leben im Glauben reifen.

 

Ihr Günter Beck

05.01.2018

Das Wertvollste geben

Bild: Bill Rogers (CC BY-NC-ND 2.0)

Gedanken zu den Drei Königen

Vor 10 Jahren startete die KjG-Theatergruppe ihr erstes Stück und führte „Die Engelbande“ von Geraume McDonoug auf. Eine Gruppe widerspenstiger Jungengel erhält zur Strafe den Auftrag auf der Erde wieder Ordnung zu schaffen. Sie stolpern mitten ins Weihnachtsgeschehen der heutigen Zeit, das allerdings von Hektik und Kommerz gekennzeichnet derartig verunstaltet ist, dass die eigentliche Weihnachtsbotschaft kaum noch zu erkennen ist.

Ich will jetzt nicht die ganze Geschichte erzählen aber den Blick auf das Schlussbild richten, in der sich plötzlich eine Konstellation ergibt, die der Szene im Stall zu Bethlehem wie ein Zwilling gleicht. Da ist ein junges Paar mit einem neugeborenen Kind. Sie sind untergekommen bei Frau Höhle. Auch ein paar Leute aus der nahen Umgebung sind da. Zum guten Schluss erscheinen auch noch die 3 coolen Hip-Hopper, die Rhythm Kings, und bringen, weil sie vom neuen Erdenbürger so entzückt sind, ihre Geschenke. Spätestens jetzt ist bei allen der Groschen gefallen. Weihnachten geschah nicht nur irgendwann vor 2000 Jahren, irgendwo in weiter Ferne. Weihnachten entsteht auch heute, im Hier und Jetzt.

Die Rhythm Kings also sind es, die dem Ganzen die Krone aufsetzen. Die Kings sind cool und bei den Leuten beliebt. Wo die Kings auftauchen, da ist Stimmung, da ist was los. Die Fans reißen sich um die besten Plätze um ihnen möglichst nah zu sein. Aber heute haben diese supercoolen Typen nichts besseres zu tun, als in eine Szene in einer armseligen Behausung aufzutauchen und ein Windelkind mit Geschenken zu überhäufen. So skurril kann nur das wahre Leben sein.

Ich denke, dass es nicht schwer fällt, diese „heutige“ Weihnachtsgeschichte zurück zu projizieren auf die Weihnachtsgeschichte im Lukasevangelium. Sie kommen von weit her gereist. Sie haben große Strapazen auf sich genommen. Sie hätten es eigentlich nicht nötig gehabt. Schließlich kommt man für gewöhnlich zu ihnen, wenn man etwas von ihnen will. Aber durch ihr Erscheinen am Geburtsort Jesu wird überdeutlich klargestellt:

Dies ist kein gewöhnliches Kind. Ihm gebührt alle Ehre. Ihm legen wir unser Wertvollstes zu Füßen. Da haben nicht irgend welche Leute etwas gehört und sind losgelaufen, um sich das mal anzusehen. Das ist nicht irgend so ein neuer Popstar, der am Firmament auftaucht und morgen schon in Vergessenheit geraten kann. Zu diesem Kind kommen die Weisen und Gebildeten und erkennen seine königliche Geburt.

Aber es gilt auch, dass Weihnachten heute geschieht. Auch heute gebührt dem Herrn die Ehre und unser ganzer Lob und Preis. Es ist nur recht und billig ihm unserer Wertvollstes zu schenken. Aber wie können wir das heute tun?

Biete Jesus, dem Herrn, einen Platz in deinem Leben an. Aber bedenke, wen du einlädst. Es ist nicht irgend jemand. Ihm gebührt nicht ein Platz unter vielen, sondern der Platz im Zentrum deines Lebens. Er möchte Teil deines Lebens sein, weil er dich ganz besonders lieb hat. Wenn Jesus einen Platz in deinem Leben hat, kannst du ihn auch mit deinem Leben ehren, indem du versuchst dein Leben nach seinem Vorbild auszurichten. Habe ein Herz für deine Mitmenschen und hilf da, wo es dir möglich ist. Jesus wird dir bei allem was du tust nah sein und dir die nötige Kraft geben, wenn du selbst nicht weißt, wie es weiter gehen soll. Wenn du so dein Herz für deine Mitmenschen gibst, gibst du zugleich ihm, Jesus, dein Wertvollstes. Denn er selbst hat auch dir sein Wertvollstes gegeben, als er sein Leben für dich am Kreuz hergab.

Ihr Günter Beck

17.12.2017

Legt dem Wirken des Hl. Geistes nichts in den Weg!

„Wer bist du?“ das fragen die Abgesandten aus Jerusalem den Johannes. Er macht Furore. Eine Menge Leute kommen an den Jordan, hören ihm zu. Die einen bleiben distanziert, andere genießen den Hype, wieder andere spüren: da spricht einer authentisch; lebt, was er sagt.

Und dann noch diese merkwürdige Ansage: Ich bin die Stimme eines anderen, den ihr noch nicht kennt.

Ein Öko-Leben in der Wüste; Aufforderung an die Zuhörenden, sich Wasser über den Kopf gießen zu lassen und damit eine Änderung der Lebensweise zu versprechen: das irritiert und schockt. Schließlich Ablehnung jeder Profilneurose: nach mir kommt ein Größerer.

Die Evangelisten stellen Johannes bewusst an den Anfang.

Er ist die lebendige Frage an mich, an jeden hier: Wer bist du?

Heranwachsende fragen sich das. Menschen, die in einer Lebenskrise stecken, fragen sich das. Abenteurer, Welt- verbesserer suchen eine Antwort auf diese Frage.

Die Junge Theatergruppe der KjG versucht seit 10 Jahren, jungen Menschen beim Suchen nach einer Antwort Orientierung zu geben.

Es ist schon faszinierend, wie Jugendliche sich herausfordern lassen, an ihre Grenzen gehen und dabei eine innere Freude spüren, die bei vielen anderen ihrer Generation verloren gegangen ist oder in der Routine des Alltags erstickte.

Es sind 10 Jahre mit Theaterstücken, in denen aus einer Rolle auf einmal die eigene Sinnfrage erwacht; die eine Antwort verlangen, nach welchen Maßstäben das Zusammenleben in der Gesellschaft funktionieren sollte; die auch das Böse im einzelnen Menschen wie in der Weltgesellschaft identifizieren und die Frage stellen: woher kommt das Böse, wie kann ich es beherrschen?

Das alles wäre nicht möglich, wenn es nicht Menschen gäbe, die diese jungen Leute begleiten, mit ihnen im Gespräch sind, ihre Zweifel, ihre Ängste, ihre Hoffnung aufnähmen und in einem kreativen Prozess Antworten anbieten würden.

„Ja, wer bist du?“ fragt da einer, und du beginnst dich selber zu fragen: „Wer bin ich, Jugendlicher des Jahres 2017?

Jede und jeder in einem anderen Elternhaus aufgewachsen; mit übernommenen Werten und Haltungen in eine Gesellschaft und eine Kirche geschickt, deren Gestalt sich so rapide verändert, dass die Eltern die eigenen Kinder nicht mehr verstehen.

In ein Schulsystem gepresst, das oft nur dazu auffordert, das zu reproduzieren, was ihr für eine Prüfung braucht; in eine Freiheit hinein geworfen, die so viele interessante Angebote macht, dass ihr oft gar nicht entscheiden könnt, welches ihr annehmen sollt.

In einer kirchlichen Gemeinde groß geworden, in der die grauen Köpfe überwiegen und ihr euch meist allein fühlt.

Aber auch die Erfahrung: wenn ihr euch zusammen tut, gemeinsam Zeit verbringt, wächst eine Verbundenheit, die Spaß macht und stärkt.

Wie kann diese Erfahrung Dauer bekommen; wie kann ich mit 13, 14 Jahren oder als junger Erwachsener ein Selbst-bewusstsein gewinnen, das mich trägt und anderen imponiert?

Da kommt vielleicht Er ins Spiel, den Johannes ankündet, der kommen wird, aber schon mitten unter euch ist.

Jesus von Nazaret: Wer bist du für mich?

Eine Figur, über die im Religionsunterricht schlau geredet wird? Eine Gestalt, die mir als vorbildlicher Mensch vorgestellt wird? Ein Frommer, der mir ständig mit seinen Forderungen das Leben versauert?

Oder kann ich Jesus entdecken als den, mit dem ich gehen kann wie ich mit Freundin oder Freund gehe? Der oft unerkannt und mir unbewusst an meiner Seite ist, wenn ich Entscheidungen zu fällen habe; wenn ich ein Risiko eingehe; wenn ich mich in einen Menschen verliebe?

Jesus, der von Gott kommt und Mensch unter Menschen werden wollte; der Kind war und Jugendlicher und konsequent seinen Weg ging und mir signalisiert: Mit dem Geist, den ich auch Euch verspreche, werdet Ihr über euch hinauswachsen.

Die Lesung spricht es deutlich aus: „Legt dem Wirken des Hl. Geistes nichts in den Weg!“ (1.Thess 5,19)

Aber Halt! Da ist doch noch ein Haken. Hin und wieder spürst Du: Dieser Jesus fordert Dich heraus. Die erste Lesung, die wir heute nicht gehört haben, bringt konkrete Bespiele:

Armen Hoffnung bringen. - Soll ich wirklich von meinem Taschengeld einen Teil spenden, sogar regelmäßig, für ein Projekt, das ich selbst aussuche? Aber ich spare doch schon für das nächste Konzert, für das neue Smartphon, für Markenklamotten … Soll ich darauf verzichten?

„Legt dem Wirken des Hl. Geistes nichts in den Weg!“

Tröstende Nähe schenken. - Der Freund, die Freundin ist es doch selber schuld, wenn die letzte Beziehung platzte. Da Tröster spielen? Muss denn ich das gerade? Aber ich bin doch Freund oder Freundin; ich kann doch wenigstens da sein, mal in den Arm nehmen, zuhören …

„Legt dem Wirken des Hl. Geistes nichts in den Weg!“

Jemandem helfen, frei zu werden von Angst. - Da wird jemand gemobbt. Suche ich mit ihm, mit ihr nach kompetenter Hilfe, gehe ich die ersten Schritte mit. Ich weiß nicht, ob ich das schaffe; ich weiß nicht, ob ich die richtigen Worte finde.

„Legt dem Wirken des Hl. Geistes nichts in den Weg!“

Wir sind nahe bei Weihnachten. Genau dazu ist Jesus einer von uns geworden, damit wir an ihm ablesen können, wie das geht, dem Wink des Hl. Geistes zu folgen – und von ihm den Rippenstoß zu bekommen: Los, hab keine Angst; das wird schon klappen.

 

 

Predigt von Pastor Hans-Jürgen Vogel
im Gottesdienst zum 10jährigen Bestehen
der KjG Theatergruppe

04.06.2017

spiri.IMPULS - Weltrekord

Der spiri.IMPULS August 2017 ist erschienen.

Pastor Hans-Jürgen Vogel schreibt über seine Gedanken zum Weltrekordversuch im Landschaftspark Duisburg. Es soll die größte Sandburg entstehen.

Den spiri.IMPULS jetzt herunterladen ---> gebongt!

 

 

12.06.2017

Die Stimme aus dem Off

"Wo bleibt der Pfingstgedanke?" lautet ein Zuruf aus der versammelten Menge an die Redner des Zukunftstages 2.0 der Pfarrei St. Clemens. Damit hat natürlich niemand gerechnet. Man bereitet sich darauf vor sich kleiner zu stellen und sogar die bittere Pille zu schlucken die da lautet: "... wir müssen uns von einigen Immobilien trennen. Und ja, es werden wohl auch Kirchen dabei sein."

Ich beziehe mich in diesem Statement ausschließlich um diese eine Frage: "Wo bleibt der Pfingstgedanke?", weil er in der folgenden Zeit einiges in mir ausgelöst hat. Davon möchte ich berichten und entferne mich dabei mitunter von der Intension des Zurufers.

Wo bleibt dabei der Pfingstgedanke? Diese Frage müssen wir uns alle stellen. Sich zurückzuziehen und in der Gesellschaft kaum mehr wahrgenommen zu werden hat sicher nicht viel zu tun mit dem, was damals in Jerusalem die Apostel ergriffen hat. Vom Geist getrieben traten sie aus ihren Verstecken. Sie mussten der Welt einfach erzählen von ihrer persönlichen Erfahrung mit dem lebendigen Gott, der ihr Leben, ihre ganze Existenz, von Grund auf umgekrempelt hat. Nichts ist mehr so wie es vorher war. Die Wahrheit muss ans Licht und der Welt verkündet werden.

Und Gott schaut nicht untätig zu, wie sich die Apostel abstrampeln und verzweifelt versuchen sich verständlich zu machen. Er sorgt dafür, dass das gelingen kann, was keiner für möglich gehalten hat. Die Botschaft verhallt nicht in den Gassen von Jerusalem sondern fällt in die Herzen eines jeden Zuhörers. Die Botschaft erreicht die Menschen und noch mehr. Die Botschaft wird von ihnen aufgenommen und verstanden. Selbst über Sprachbarrieren hinweg wird die frohe Botschaft vom auferstandenen Jesus Christus verstanden. Eine unerhörte Botschaft, die viele Gegner hat, breitet sich aus und beginnt ihren Siegeszug um den ganzen Erdkreis. Das ist Pfingsten!

Und wo ist Pfingsten heute? Haben wir uns auch nur halb so stark ergreifen lassen von der Botschaft des Evangeliums wie die Apostel damals? Oder ziehen wir uns in unser Schneckenhaus, unserem vertrauten Kirchbau zurück und hoffen, dass wir einigermaßen unbeschadet die Krise überstehen?

Pfingsten muss uns aus den Gemäuern heraustreiben. Pfingsten muss uns drängen tatkräftig anzupacken, wenn es darum geht an der Kirche Jesu Christi zu bauen. Da heißt es: "Wir müssen Rücklagen bilden, damit wir zukünftig anstehende Reparaturen finanzieren können." Sorgen wir uns da nicht allzu sehr um die Steine unserer Gebäude und vergessen dabei die Menschen denen es gilt die frohe Botschaft zu verkünden, in Wort und Tat?

"Macht euch also keine Sorgen und fragt nicht: Was sollen wir essen? Was sollen wir trinken? Was sollen wir anziehen? Denn um all das geht es den Heiden. Euer himmlischer Vater weiß, dass ihr das alles braucht. Euch aber muss es zuerst um sein Reich und um seine Gerechtigkeit gehen; dann wird euch alles andere dazugegeben." (Matthäus 6,31-34)

Pfingsten passiert auch heute. Pfingsten passiert immer da, wo Menschen sich vom Heiligen Geist ergreifen lassen und es zulassen, dass er seine Wirkung in ihnen entfaltet. Und seine Wirkung ist nicht Ohne. Da passieren auch heute noch Wunder. Nur, warum fällt es uns so schwer an ein Wunder in dieser Dimension zu glauben? Wir selber können so ein Wunder sicher nicht auf die Beine stellen. Da braucht es schon ein gehöriges Zutun von oben. Aber dieses Zutun ist uns auch zugesagt: Sorgt euch zuerst um sein Reich und seine Gerechtigkeit, dann wird euch alles andere dazugegeben.

Dann werden wir es erleben. Dann werden wir am eigenen Leib feststellen, wie der Geist Gottes alles verändert, was für uns bereits feststand. Dann werden wir ergriffen sein vom Pfingstgedanken, den der unbekannte Zurufer eingefordert hat. Dann werden wir erkennen, dass Gott selbst durch diesen Zurufer zu uns gesprochen hat. Gott selbst erinnert uns daran, dass nicht wir es sind, die Veränderung bewirken können. Aber auch daran, dass er selbst es ist, der sich für jeden einzelnen interessiert und dass es ihm deshalb auch daran gelegen ist, dass wir alles Nötige zum Leben erhalten.

Gedanken zu einem Pfingstereignis am Zukunftstag 2.0 am 10, Juni 2017 in St. Theresia vom Kinde Jesu
von Günter Beck

04.06.2017

Pfingstpredigt 2017

Die Pfingsterzählung spricht von Feuer und Sturm.

Es sind Bilder, die uns vertraut sind. Immer werden uns die Verheerungen, die Feuer und Sturm anrichten, vor Augen geführt. Da sind sog. Elementarmächte, weil sie unberechenbar und plötzlich auftreten können und unser Leben total aus der Bahn werfen und verändern.

Mir sind dann aber auch andere Wirkungen von Feuer und Sturm eingefallen, die durchaus auf das Pfingstereignis zutreffen.

Wir sprechen davon, dass Feuer etwas ausbrennen kann.

Vielleicht erinnern wir uns an Erzählungen aus unserer Kindheit von Schlangenbissen, deren Gift durch Feuer ausgebrannt wurde. Wir sprechen davon dass Menschen von Überforderungen, von Stress und Hetze ausgebrannt sind.

Die Wirkung des Ausbrennens ist, dass etwas von uns schmerzhaft beseitigt wird.

Schauen wir in unsere Lebenswelt, dann können wir durchaus darum bitten, das der Geist Gottes das eine oder andere ausbrennt, was uns unfähig macht, Gottes Liebe zu erfahren.

Wir leben oft oberflächlich, weil die wir die vielen Eindrücke gar nicht alle sortieren können. Damit sind wir auch anfällig für Halbwahrheiten oder Lügen, die in die Welt gesetzt und uns als Wahrheit verkauft werden. Fakes beeinflussen Menschen bei ihren politischen Entscheidungen, in ihrem Kaufverhalten, in ihren Beziehungen zu anderen Menschen.

Wir sollten den Geist Gottes herabrufen, dass er unsere Oberflächlichkeit ausbrennt, damit wir hinter Dinge schauen und in die Tiefe finden und damit näher zur Wahrheit.

Wir kommen gerne hoch hinaus, wir möchten gelten und glänzen, wir möchten gehört und anerkannt werden; wir möchten im Mittelpunkt stehen. Damit verlieren wir schnell den Blick auf die Menschen neben uns; auf die Menschen, die oft kaum bemerkt werden.

Wir sollten bitten, dass Gottes Geist unseren Hochmut und unsere Überheblichkeit ausbrenne.

Wir urteilen oft sehr schnell, ohne zu differenzieren; verurteilen Menschen, ohne ihre Gründe für ein Verhalten zu kennen.

Der Geist Gottes möge diese Vorurteile aus uns ausbrennen. damit wir anderen gegenüber gerechter werden.

Ich könnte noch mehr Verhaltensweisen aufzählen, die ein gutes Miteinander unmöglich machen.

Wenn wir Gottes Geist in und an uns wirken lassen, dann wird das schmerzhafte Veränderungen mit sich bringen, uns aber auch heilen und damit offen machen für Neues.

Wir sprechen davon, das sich etwas in uns einbrennt. Wir kennen Brandzeichen, wir kennen prägende Erlebnisse.

Gottes Geist hat den Jüngern Jesu die Überzeugung eingebrannt, dass Jesus, der Auferstandene, dem Leben Sinn geben kann, der über den Tod hinaus reicht. Die Erfahrungen mit Jesus haben sich so in sie eingebrannt, dass sie davon gezeichnet wurden. Das sind ja immer auch Verletzungen, wenn etwas eingebrannt wird.

Denken Sie einmal darüber nach, ob sich der Glaube, die Begegnung mit Jesus, die Erfahrungen des umwälzenden Hl. Geistes in sie eingebrannt hat; und wie Sie und wir als Gemeinde uns diesem Wirken des Hl. Geistes öffnen können. Nur wenn wir „gebrannte Kinder“ sind, können wir etwas davon erzählen und andere etwas an uns bemerken.

Und damit kommt eine weitere Wirkung des Gottesgeistes ins Spiel: Feuer frisst sich weiter und wird durch Sturm noch mehr angefacht.

Es erstaunt in den Briefen des NT, dass die junge Kirche so missionarisch ist; dass sie sich in Windeseile ausbreitet, in wenigen Jahrzehnten sich über den damals bekannten Erdkreis verbreitet.

Den Hl. Geist, der einmal Menschen erfasst hat, kann man nicht auslöschen. Der frisst sich weiter durch Köpfe, Herzen und Hände.

Und manchmal auch versteckt unter der Asche, kaum zu sehen.

Pfingsten sagt uns: Wenn wir dem Hl. Geist nicht gewaltsam Blockaden entgegen setzen, wird er sich in uns und unsere Gemeinden weiter fressen und eine ungeheure Wirkung entfalten.

Hans-Jürgen Vogel, Pastor

27.05.2017

Christi Himmelfahrt – Herausforderung, erwachsen zu werden

Eltern merken irgendwann, dass ihre Kinder sie nicht mehr brauchen.
Die Kinder sagen oder zeigen: das will ich alleine machen; sie wollen alleine essen, sich anziehen, Rollschuhe oder Fahrrad fahren …

Jugendliche sagen dann: das ist mir peinlich, wenn die Eltern sich in ihre Gespräche einmischen und unbedingt ihre Meinung einbringen wollen; wenn Jugendliche Freund oder Freundin mit nach Hause bringen, auf ihr Zimmer gehen und Eltern dauernd reingucken …

Es gibt aber auch auch Situationen, da fehlen auf einmal die Eltern, obwohl die Kinder schon selbständig sind. Sie fühlen sich unsicher, hätten sie gerne in ihrer Nähe, brauchten ihren Rat.
Aber dann heißt es: selbst nachdenken, entscheiden und Verantwortung übernehmen.

Heute feiert die Kirche Christi Himmelfahrt: Jesus lässt seine Freunde alllein; jetzt müssen sie erwachsen werden, alleine fertig werden mit ihren Erfahrungen aus drei Jahren mit Jesus: da gibt es viele Erinnerungen an die Zeit, wo sie mit Jesus zusammen waren; da sind noch Trauer und Schmerz in ihnen über das Scheitern seiner Pläne; Zweifel, ob sie nicht Traumgesichten nachlaufen, wenn sie von seiner Auferstehung erzählen.

Uns geht es heute ähnlich wie den Freunden Jesu: Wir haben ihn nie gesehen; wir haben seine Stimme nicht gehört – und sollen glauben, dass er lebt; dass er da ist und in unserem Leben eine Rolle spielen will.
Da ist oft mehr Unglaube in uns als Zustimmung.

Am Ende der Lesung von der Himmelfahrt Jesu aus der Apostelgeschichte heißt es:
Was steht ihr da und schaut zum Himmel empor?“

Jesus spürt die Angst seiner Freunde. Er sagt ihnen: Jetzt müsst ihr alleine fertig werden. Ich habe Euch lange genug gezeigt, wie ihr euer Leben angehen sollt. Ihr habt bei mir sehen und hören können, was mich wirklich umtreibt, wovon mein Herz voll ist. Ich habe Euch vieles erklärt und euch mitgenommen an Orte der Stille und des vertrauten Gespräches, in Auseinandersetzungen; ich habe euch erfahren lassen, was Spott und Anfeindung mit euch machen.                                 

Jetzt müsst ihr mutig sein. Vertraut mir. Ich lasse euch nicht allein. Ich schicke euch meinen Geist. Der wird Euch mit Kraft und Phantasie erüllen.

Christ Himmelfahrt ist der Zeitpunkt, wo Jesus seinen Freunden die Verantwortung für sich und andere übergibt - wie Eltern, deren Kinder ausziehen, eine eigene Wohung nehmen als Studedentin, als Student, bei der Heirat. Die Eltern sind nicht mehr da, die Kinder können sie noch anrufen, um Rat fragen, aber im Augenblick der Entscheidung sind sie auf sich selbst gestellt.

So ist das auch mit uns Christen. Jetzt sind wir selber dafür verantwortlich, uns immer wieder an die Zeichen und Worte Jesu zu erinnern; uns um das Gespür für seine Nähe zu bemühen; anderen zu erzählen, wie und warum wir glauben.
Jetzt sind wir die Gestalter seiner Kirche, jede und jeder Einzelne. Da kommt Angst in uns auf. Aber Jesus hat seinen Freunden das Versprechen gemacht


Ihr werdet die Kraft des Hl. Geistes empfangen“:


Das heißt aber nicht, dass nur die Amtsträger den hl. Geist empfangen werden. Die Pfingstgeschichte und die Apostelgeschichte sprechen immer wieder davon, dass alle, die an Jesus Christus glauben, vom Hl. Geist erfüllt wurden.
Und wenn wir aufmerksam die ganze Apostelgeschichte lesen und etwa in die Briefe des hl. Paulus an die Gemeinde in Korinth hineinschauen, dann merken wir, dass der Geist Gottes die frühe Kirche gewaltig durcheinander gewirbelt hat; dass die Apostel und Gemeindeverantwortlichen Mühe hatten, ein Chaos zu verhindern und eine Ordnung zu schaffen, in der alle zu ihrem Recht kommen.

Das zu wissen, ist für heute wichtig.
Unsere Gemeinden werden vielfältiger, das Leben läuft nicht so geordnet ab wie in früheren Jahrzehnten und Jahrhunderten.
Aber der Hl. Geist wirkt auch in den heutigen Gemeinden. Wir müssen ihn nur ein Stück weit gewähren lassen, dürfen ihn nicht einsperren in die Käfige der Tradition.
Wir dürfen auf die Zusage Jesu vertrauen: „Ihr werdet die Kraft des Hl. Geistes empfangen. Und der wird Euch Sicherheit geben. Ihr werdet immer wieder merken, dass ich da bin und in Euch bin und Euch zeige, wie ihr als Christen leben sollt.

Hans-Jürgen Vogel, Pastor

01.07.2016

spiri.IMPULS - Das macht mich wütend

 

Der neue spiri-IMPULS ist raus und kann heruntergeladen werden.

Aus dem Inhalt:

  • Das macht mich wütend - Gedanken wie wir mit Gottes Schöpfung umgehen
  • PEP - Der Pfarreientwicklungsprozess
  • "Touch me" - Experimenteller Gottesdienst in St. Konrad
  • Gott ist wie eine gute App - Wie steht es mit der Datensicherheit

Also wieder jede Menge Input für Dich. Jetzt downloaden ---> Jepp!

 

 

07.06.2016

Predigt zum 10. Sonntag im Jahreskreis C 2016

Liebe Schwestern und Brüder,

Totenerweckung. Wir kennen die Erzählung. Wir wissen aus dem jüdischen kulturellem Umfeld: Wenn eine Frau, eine Witwe, ihren einzigen Sohn verliert, ist sie ohne Zukunftsperspektive. Da ist niemand mehr, der für sie sorgt. Sie hat keinen familiären Rückhalt mehr, ist angewiesen auf die Hilfe von Nachbarn, auf Almosen; darauf, dass sie irgendwo auf den Feldern hinter den Schnittern hergehen kann, um etwas von der Ernte mitzubekommen. Im Grunde ist so eine Frau gesellschaftlich tot.

Jesus, der mit seinen Freunden gerade in die Stadt kommt, weiß um die aussichtslose Situation einer solchen Frau. Man hat ihm davon gerade erzählt.

„Er hatte Mitleid mit ihr und sagte zu ihr: ‘Weine nicht!‘ Dann ging er zu dem Sarg und berührte ihn.“

Eine kleine Geste, die so viel aussagt übe diesen Jesus von Nazaret. Er lässt sich berühren vom Schmerz und der Not dieser Frau; er hat einen Blick für sie; er sieht weiter in die Zukunft und er berührt heilend den jungen Mann, schenkt Mutter und Sohn neues Leben.

„Junger Mann, ich sage, dir steh auf!“ Da richtete sich der junge Mann auf und begann zu sprechen, und Jesus gab ihn seiner Mutter zurück.“

Wenn ich heute über Barmherzigkeit sprechen soll – so hat es das Pastoralteam uns aufgetragen -, dann sehe ich in dieser Erzählung ein Paradebeispiel dafür, was „barmherzig sein“ heißt.

Eine Situation wahrnehmen – die Auswirkungen auf die Zukunft voraussehen – sich im Inneren berühren lassen und dann handeln. Nicht um losgelöst vom Alltag der Betroffenen etwas zu verändern, sondern diese eine Situation aufzusprengen:

Da steht nicht: Er machte ihn wieder lebendig; der junge Mann selbst sollte wieder eine Zukunft haben; da heißt es: er gab ihn seiner Mutter zurück. Jesus will: dieser junge Mann soll weiter die Barmherzigkeit leben, die er bisher schon seiner Mutter gezeigt hat; sie war ja auf ihren einzigen Sohn angewiesen.

Barmherzigkeit leben heißt also nicht: die ganze Welt umarmen, überall helfen, sondern ähnlich wie in der Erzählung vom barmherzigen Samariter: für diejenige oder denjenigen da sein, die mir vor die Füße fallen und Hilfe benötigen.

Ich will versuchen, diese Worte, die barmherziges Handeln ausmachen, noch zu verdeutlichen.

Die Situation wahrnehmen. Wir leben in einer Gesellschaft, in der die Welt mit ihren Katastrophen, Kriegen, Gewalttaten durch die neuen Medien ständig gegenwärtig ist. Schrecklich ist das alles! Weil wir von so vielen Eindrücken und Herausforderungen hin und her gezerrt werden, schotten sich viele Menschen ab, verdrängen die Eindrücke und Bilder, weil sie nicht mehr zu verarbeiten sind und ein normales Leben erschweren. Es ist eine Gesellschaft entstanden, die wenig Empathie zeigt; in der sich viele nicht mehr berühren lassen von der Not und der Verzweiflung anderer. Für mich heißt dann „Situation wahrnehmen“: an einer Stelle, wo mir eine Notsituation auffällt, nicht vorbeigehen, genauer hinsehen, die Umstände registrieren und sortieren.

Auswirkungen voraussehen: Ich überlege, welche Chancen diejenigen haben, die mich da in ihrer Hilflosigkeit anschauen; ob sie aus eigener Kraft herauszufinden aus dieser verfahrenen Lage. Ob ‚abwarten‘ womöglich die Situation verschlimmert.

Sich im Inneren berühren lassen: Mir wird bewusst, dass da jemand oder mehrere in einer ausweglosen Lage sind; es zerreißt mir das Herz, wenn ich das stumme Leiden, das Weinen, die Verzweiflung wahrnehme, ihr Schicksal berührt mich tief in meinem Inneren.

handeln: Wenn ich dann klar erkenne: ich bin gefragt, ich muss anfangen, etwas zu tun; ich kann andere zur Hilfe rufen … dann muss ich mich bücken und Hand anlegen. Das kann in vielfacher Weise geschehen; ich kann selber meine Möglichkeiten nutzen; ich kann Kontakte herstellen; ich kann auch erst einmal Trost und Anteilnahme zeigen.

Ich denke: Barmherzigkeit muss ein Profil haben, das sofort einleuchtet und deshalb ansteckend wirkt.

Wenn ich das so beschreibe, dann wird mir gleichzeitig klar: so zu leben, erfordert eine Kraft, die nicht aus mir alleinkommt.

So ist es gut, auch den Text aus dem Galaterbrief noch heranzuziehen. Paulus spricht von der Erfahrung seiner Berufung. Er weiß, dass es Gottes Ruf war, der ihn umgekrempelt und ihn zum rastlosen und glaubwürdigen Zeugen des Evangeliums gemacht hat; der in ihm Glauben und Tun zusammenspielen ließ und Paulus so eine ungeheure Wirkkraft gegeben hat.

Aus der Verbundenheit mit Jesus kommt auch uns die Kraft und die Phantasie, Barmherzigkeit so zu leben, dass die Menschen durch unser Handeln ein wenig mehr von Jesus Christus erfahren. 

Hans-Jürgen Vogel, Pastor