13.05.2018

„Suchend und lernend auf steinigen Wegen“

Nachfolgend veröffentlichen wir ein Interview, das der Gemeinderatsvorsitzende Olaf Peters im April für die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift Clemissio mit Propst Dr. Fabritz und Pastor Danne über die seelsorgliche Situation in Schmachtendorf geführt hat.

 

Olaf Peters:
Das Motto der aktuellen Clemissio Ausgabe „Mit leichtem Gepäck unterwegs", erweckt den Anschein, als handele es sich um eine leichte Reise. Für uns Christen in Schmachtendorf ist es eher ein steiniger Weg. Die neuen Herausforderungen, als erste der Gemeinden ohne einen eigenen Pastor, ohne einen pastoral Hauptverantwortlichen vor Ort zu sein, nehmen uns den Atem. Es wird wohl niemand sagen wollen, unser Gepäck sei leichter, weil wir nun keinen Pastor mehr haben. Das wäre ja auch eine zynische Bemerkung. Er fehlt uns doch. Er war es doch, der alles zusammen gehalten hat in der Seelsorge wie in der Führung der Gemeinde. Es fehlt derjenige, der viele Aufgaben in der Gemeinde übernommen und für Fragen und Probleme immer ein offenes Ohr hatte, einfach vor Ort als Ansprechpartner da war.

Und Nun? Sind wir gefühlt ohne Pastor, ohne verantwortlichen Hauptamtlichen unterwegs! Fühlen wir uns dadurch erleichtert? Nein, ganz und gar nicht! Natürlich, wir freuen uns, dass Propst Dr. Fabritz und Pastor Danne ihren priesterlichen Dienst zusätzlich zu ihren bisherigen Aufgaben in unserer Gemeinde leisten. Jedoch fehlt uns der Priester vor Ort, der mal schnell ohne großes Aufsehen, auf dem kurzen Weg "als Hirte für seine Schafe da ist" Für uns müsste das Motto diese Ausgabe unseres Erachtens daher lauten „Nicht mit leichten Gepäck unterwegs, suchend und lernend auf steinigen Wegen". Also machen wir uns auf den Weg, nehmen die Herausforderung an und setzen alles daran, dass es in St. Josef-Schmachtendorf auch weiterhin katholisches kirchliches Leben gibt.

Wir machen uns auf zu neuen Ufern der Pfarreiarbeit, fühlen uns dabei aber ziemlich alleingelassen, da die anderen Gemeinden größtenteils noch andere, alt hergebrachte Wege gehen. Unser Gepäck wäre leichter, wenn wir uns mit der Pfarrei und den (Nachbar-)Gemeinden gemeinsam auf den Weg machen könnten. Wir wissen zurzeit nicht, welche Probleme noch auf die Gemeinde zukommen werden. Gemeinsam bemühen wir uns, kooperativ und respektvoll Probleme, die es trotz bester Planung immer wieder geben wird, zu lösen. Diesen Weg wollen und können wir aber nicht allein gehen, sondern nur gemeinsam mit der Pfarrei.

Sehr geehrter Herr Propst Fabritz, Sehr geehrter Herr Pastor Danne Seit dem Weggang von Pastor Rehwald bestehen in St. Josef Schmachtendorf immer wieder Unsicherheiten darüber, wie sich katholische Kirche und katholisches Leben im Stadtteil Schmachtendorf zukünftig entwickeln. Aktuell ist vielen Gemeindemitgliedern unklar, wer in der Gemeinde wofür zuständig ist und an wen man sich mit welcher Frage wenden kann. Einige der an uns herangetragen Fragen stellen wir Ihnen hier vor.

Lieber Herr Pastor Danne, Sie sind als pastoraler Ansprechpartner für St. Josef benannt. Vielen Christen ist unklar, was sich hinter dem Begriff "Pastoraler Ansprechpartner" verbirgt. Wie beschreiben Sie Ihre Aufgaben in St. Josef-Schmachtendorf?

Pastor Danne:
Die Rolle des pastoralen Ansprechpartners sehe ich erst einmal verknüpft mit meiner Person und somit mit meiner priesterlichen Existenz. So sehe ich auch meine Aufgaben - egal an welchem Ort. Priester bin ich überall, in der Pfarrei St. Clemens und sicherlich auch in Schmachtendorf. So sind auch meine Aufgaben stets priesterliche, d.h. also die Spendung und Feier der heiligen Sakramente, die Verkündigung des katholischen Glaubens und die Sorge um den Nächsten.

Olaf Peters:
An wen sollen sich die Menschen im Stadtteil Schmachtendorf mit ihren Fragen richten, wenn sie priesterlichen Beistand benötigen, wenn es zum Beispiel einen Trauerfall in der Familie gibt, wenn sie heiraten wollen oder wenn sie ihr Kind taufen lassen wollen?

Pastor Danne:
Einem jeden Priester wird durch die Priesterweihe die Sorge und Leitung der Kirche vor Ort anvertraut. Damit verbunden haben sie die Aufgabe, sich als Hirten der Gemeinde der Sorgen und Bedürfnisse der Menschen vor Ort anzunehmen, d.h. konkret: wenn Menschen ganz konkrete Sorgen und Nöte, aber auch seelsorgliche Bedürfnisse haben, können sie sich sowohl persönlich an mich, als auch an jeden anderen Priester wenden. Wie erreichen die Gemeindemitglieder Sie konkret? Erreichbar bin ich per Telefon, per Fax, per E-Mail - also mittels aller modernen Kommunikationsmittel. Vor allem aber auch - und dies ist sicherlich immer der beste Weg für den Aufbau einer gut funktionierenden zwischenmenschlichen Beziehung - ganz persönlich; dies kann z. B. geschehen nach einem Gottesdienst oder auch ganz spontan beim Bäcker; als Geschwister im Glauben gibt es keinen Ort, an man sich nicht auf einander zubewegen und sich begegnen kann.

Olaf Peters:
Wird es in 2018 eine Kommunionsvorbereitung für die Kommunionfeier in 2019 geben? Ab wann können die Familien ihre Kinder anmelden?

Pastor Danne:
Sicherlich wird es auch 2018 eine Vorbereitung auf die Feier der Erstkommunion im Jahr 2019 geben; die Vorbereitung gehört zur Spendung und zum Empfang eines jeden Sakramentes wesentlich dazu. Wie diese jedoch gestaltet und in welcher Form dies geschehen wird, kann ich an dieser Stelle noch nicht sagen. Alle weiteren Formalitäten werden noch geklärt werden.

Olaf Peters:
Wer kümmert sich darum, dass Kinder im Kommunionunterricht angesprochen werden, ob sie Messdiener werden wollen und wer betreut diese dann auch?

Pastor Danne:
Immer wieder treten die Kommunionkinder mit der Möglichkeit des Messdiener werden Könnens in Verbindung: sei es, dass sie in den Gruppenstunden von den Katecheten angesprochen werden, aber auch von mir persönlich. Dies geschieht immer wieder, so z. B. auch auf der gemeinsamen Mitte Januar stattgefundenen Kommunionkinderfahrt. Darüber hinaus haben die Messdiener sicherlich immer wieder neu die Möglichkeit, für ihre Gemeinschaft „Werbung“ zu machen.

Olaf Peters:
Welche pastoralen Angebote liegen Ihnen für den Norden besonders am Herzen?

Pastor Danne:
Mein „pastorales Bemühen“ ist nicht gebunden an einen Ort oder an eine Gemeinde; und dies nicht nur, weil ich als Pastor in meinem Dienst für die gesamte Pfarrei berufen worden bin, sondern auch, weil dies meinem persönlichen Verständnis meines priesterlichen Lebens entspricht: dort, wo ich bin, will ich mit allen Menschen, die auf der Suche nach Gott und guten Willens sind, Christus begegnen im Gebet, im gemeinsam geteilten Glauben der Kirche und in der Feier der Liturgie.

Olaf Peters:
Wird es noch einen Schulgottesdienst geben?

Pastor Danne:
Für dieses bis zu den Sommerferien gehende Schuljahr sind die Schulgottesdienste bereits geplant. Wie sich dies für das kommende Schuljahr gestalten wird, kann ich hier noch nicht sagen.

Olaf Peters:
Wird es auch in den nächsten Jahren Sonntagsgottesdienste geben?

Pastor Danne:
Kirche existiert und lebt dort, wo Tod und Auferstehung Jesu Christi gefeiert wird. Die Feier der Eucharistie ist die Existenzgrundlage der Kirche. Wo keine Eucharistie mehr gefeiert wird, dort gibt es auch keine Kirche. Das heißt also, dass es gar nicht zur Frage steht, ob am Sonntag die Eucharistie gefeiert wird. So lebt auch unsere Pfarrei St. Clemens durch die Feier der Heiligen Messe. Wo diese in Zukunft gefeiert werden wird, kann keiner überblicken und beantworten. Orte, Zeiten und Personen werden sich verändern, dennoch können wir uns sicher sein, dass, wenn wir als Kirche lebendig bleiben wollen, die Feier der Eucharistie stets Mittelpunkt unseres pfarrlichen Lebens sein wird.

Olaf Peters:
Wer kümmert sich um die Kinder-und Jugendarbeit in der Gemeinde?

Pastor Danne:
Erst einmal liegt die Kinder- und Jugendarbeit in der Verantwortung der Verbände und Gruppierungen vor Ort. Die Lebendigkeit dieser Arbeit muss aus sich selbst heraus geschehen. Dies muss sicherlich begleitet werden; wer dieses in Zukunft jedoch hauptamtlich tun wird, wird noch gemeinsam mit allen Verantwortlichen weiter gut überlegt werden. Meine Vision dabei ist jedoch die, dass dieses „pastorale Feld“ nicht mehr gebunden sein muss an eine einzelne Gemeinde, sondern - so wie es an manchen Orten auch schon erste Bemühungen und Schritte in diese Richtung gibt - dies auch auf Pfarreiebene, wenn nicht sogar auf Stadteben angegangen werden könnte.

Olaf Peters:
Bisher war die Gemeinde mit unserem Kindergarten und der Grundschule in Schmachtendorf immer über den Pastor als Kontaktperson verbunden. Wie lässt sich dies in Zukunft realisieren?

Pastor Danne:
Bis jetzt stehe ich mit meiner eigenen Person in Kontakt mit der Grundschule an der Oranienstraße und unserem Kindergarten. Sicherlich können in noch nicht überschaubarer Zukunft auch hier neue Formen der „Beziehungspflege“ zwischen den unterschiedlichen Standorten angedacht und gefunden werden. Wichtig ist mir dabei, dass wir in ehrlicher Offenheit und wertschätzendem Dialog immer wieder neu den Weg aufeinander zugehen.

Olaf Peters:
Lieber Herr Propst Fabritz, ab Sommer 2018 ist das Gemeindebüro in St. Josef nur noch durch Ehrenamtliche besetzt. Diese können und dürfen nicht alle Aufgaben einer hauptamtlichen Sekretärin übernehmen. Mit welchen Anfragen darf man sich an das Gemeindebüro wenden? Wie unterstützt die Pfarrei die Ehrenamtlichen dabei, vor Ort erreichbar zu bleiben? An welcher Stelle kann man dann z.B. Taufen und Trauungen anmelden?

Propst Fabritz:
Dass das Gemeindebüro nicht mehr mit einer hauptamtlichen Sekretärin besetzt werden wird, hängt mit dem Eintritt in den Ruhestand von Frau Mettler zusammen. Unser Pfarreihaushalt erlaubt keine Stellenneubesetzung. Ehrenamtliche, die ja bereits jetzt im Büro mithelfen, können nicht alle Aufgaben einer hauptamtlichen Sekretärin übernehmen. Allein der Datenschutz, vor allem der Gebrauch des Meldewesens, würde das gesetzlich nicht zulassen. Die staatliche Gesetzgebung ist da sehr engmaschig geworden. Ich denke, dass wir vor allem Ansprechpartner in den Büros brauchen. Taufen und Trauungen können vom Gemeindebüro an das zentrale Pfarrbüro weitergegeben werden. Unsere Internetpräsenz muss sich noch verbessern. Sehr viele Menschen suchen Kontakt zur Pfarrei und Gemeinde über das Netz und nicht mehr über die Büros. Das merke ich selber daran, dass ich viele Anfragen auch persönlich über „Kontaktformular“ bekomme.

Olaf Peters:
Wer fühlt sich von den Hauptamtlichen dafür verantwortlich, dass katholisches kirchliches Leben in Schmachtendorf auch ohne eigenen Pastor weiter stattfindet?

Propst Fabritz:
Dafür stehe ich als Pfarrer ein! Wohl wissend, dass ich nicht alle Aufgaben eines Pastors mit eigenverantwortlicher Wahrnehmung der Seelsorge übernehmen kann. Dass Pastor Danne nicht der „eigene Pastor“, sondern pastoraler Ansprechpartner ist hängt damit zusammen, dass er der erste Priester in unserer Pfarrei ist, der nicht mehr auf eine bestimmte Gemeinde, sondern auf die Pfarrei hin ernannt ist. Ich bin ihm dankbar, dass er diese Aufgabe übernommen hat. Das optische Problem für viele Gemeindemitglieder ist, dass sie ein leeres Pfarrhaus sehen. Wer im Pfarrhaus wohnt, ist der Pastor – zumindest vom Gefühl her. Fakt ist, dass kaum ein Tag vergeht, an dem nicht entweder Pastor Danne oder auch ich in Schmachtendorf sind. Natürlich sind die Ehrenamtlichen, die ja immer schon viel Verantwortung übernommen haben, jetzt besonders gefragt. Wir haben eine monatliche Dienstbesprechung mit Ehren- und Hauptamtlichen eingerichtet, in der alle anstehenden Fragen geklärt werden können.

Olaf Peters:
Viele Aufgaben, die bisher ein Pastor übernommen hat, könnten von Ehrenamtlichen übernommen werden. Allerdings ist noch nicht klar, was Laien selbstständig bestimmen dürfen. Wie unterstützt die Pfarrei die Ehrenamtlichen vor Ort? Gibt es einen Leitfaden für die Leitung einer Gemeinde durch Ehrenamtliche?

Propst Fabritz:
Die Ehrenamtliche Gemeindeleitung ist ein Projekt mit eigenen Regeln, das vom Bistum begleitet wird. Roman Blaut aus dem Dezernat Pastoral ist hier der Ansprechpartner. In Liebfrauen läuft dieses Projekt und dass es gerade dort läuft, hängt damit zusammen, dass Gemeindemitglieder bereits Erfahrungen gesammelt haben (z.T. in Südamerika) und diese Erfahrungen nun konkret vor Ort umsetzen.

Olaf Peters:
Die Gemeinde St. Josef Schmachtendorf ist als erste Gemeinde nicht mehr durch einen Hauptamtlichen im Pastoralteam vertreten. Es gibt Befürchtungen, dass St. Josef in Vergessenheit gerät und sich niemand mehr für die Gemeinde einsetzt. Können Sie den Menschen diese Angst nehmen? Was können Sie für uns tun?

Propst Fabritz:
Wer hat sich denn bisher für St. Josef eingesetzt? Ein Pastor kann ohne eine lebendige Gemeinde nichts bewirken. Ich erlebe St. Josef als eine sehr lebendige Gemeinde mit vielen überzeugten Christinnen und Christen. Da steckt viel Potential drin! St. Josef muss sich keine Sorgen machen, wenn wir wirklich für unseren Glauben einstehen. Unser Problem ist, dass wir alles Bestehende eins zu eins weiterführen wollen. Die Gesellschaft um uns herum hat sich aber völlig geändert – auch in Schmachtendorf. Welche Antworten gibt die Gemeinde darauf? Welche Rolle spielt das Missionarische in unserem Gemeinde- und Pfarreileben?

 

Viele Dank für das Gespräch!

Für den Gemeinderat St. Josef Schmachtendorf

Olaf Peters

 

 

15.05.2018

Zum Download des Interviews „Suchend und lernend auf steinigen Wegen“