Die fünfziger und sechziger Jahre

Die fünfziger Jahre waren vom stetigen Wachstum des innerkirchlichen Lebens geprägt. Religiöse Wochen, Wallfahrten, Fastenpredigten, Bekenntnis- und Besinnungstage setzten Akzente.
Die Friedenswallfahrt des Müttervereins führte 1953 nach Neviges.
Der Arbeiter und Knappenverein feierte sein Sommerfest bei Gerlach in Schmachtendorf. Diese Sommerfaste waren beliebt bei Groß und Klein. Mit Musik machte sich der Festzug auf den Weg. Unterwegs schlossen sich die Bewohner des Alsfeldes an der Ecke Fuchs-/Jägerstraße an und die Blasmusik sorgt mit ihren zackigen Melodien dafür, daß erst gar keine Müdigkeit aufkam.
Im Mai 1954 (Christi Himmelfahrt) sprach abends der bekannte Speckpater, der Prämonstratenserpater Werenfried von Straaten. Er hatte seinen Beinamen erhalten, weil er durch die ganze Bundesrepublik reiste, um im Land des Wirtschaftswunders Geld- und Sachspenden für die Ostkirche zu sammeln. Seine Art zu predigen war neue. Seine Sprache war direkt, humorvoll und überall, wo er auftauchte, hörten ihm Tausende begeistert zu. Natürlich fiel das Ergebnis der Sammlungen immer entsprechend aus.

Die Opferfreudigkeit der Kirchenbesucher wurde bald sprichwörtlich und mit Stolz auf seine Schäfchen gab Herr Pastor Awick bei außergewöhnlichen Sammlungen das Ergebnis bekannt.

Pfarrer Franz Scheulen
22.10.1957 - 25.3.1968

Im Oktober 1957 wurde der, von der ganzen Gemeinde verehrte, Herr Pfarrer Awick auf eigenen Wunsch seiner Pflichten enthoben. 78 Jahre alt, hatte er 30, zum Teil bittere Jahre, in unserer Stadt gewirkt. Davon 20 Jahre als Pfarrer in unserer Gemeinde.
Nach 3 Jahren im Ruhestand starb er in seiner Heimatgemeinde Scharrel in Oldenburg. Seine letzte Ruhestätte fand er in der Priestergruft auf dem Friedhof an Wittestraße. Alle, die ihn gekannt haben, werden ihn nicht vergessen.
Sein Nachfolger war von Oktober 1957 bis März 1968 Pfarrer Scheulen.

St. Pius Kirche

Schon lange wünschten sich die Gläubigen im Bezirk Alsfeld eine eigene Kirche und gründeten 1950 einen Kirchbau-Förderverein.
Als dann der Kirchenvorstand von Herz Jesu im November 1958 den Bau der neuen Kirche mit einem Gemeindezentrum beschloß, war die Freude groß. Nach einer öffentlichen Ausschreibung zur schlüsselfertigen Errichtung einer Kirche, eine Kindergartens und eines Pfarrhauses erging schließlich die Auftragsvergabe an die Gutehoffnungshütte Sterkrade.
Herr Kaplan Schröer, der seit Oktober 1960 in der Gemeinde Herz Jesu wirkte, wurde Mitte 1961 zum Vikar an der in Angriff genommenen Pfarrkirche St. Pius ernannt. Bis zur Fertigstellung des neuen Gotteshauses wurde am 10. März 1962 eine Notkirche im ehemaligen Saal Effkemann geweiht und schon am 29.6.1963 wurde die inzwischen fertig gestellte Kirche St. Pius von Herrn Bischof Hengsbach unter großer Anteilnahme der Mutterpfarre geweiht.

Durch die Abzweigung der Gemeinde schrumpfte auch die Zahl der Gläubigen beachtlich. Die Mitglieder der Frauengemeinschaft fiel z.B. von 960 auf 596 Frauen zurück.

Die Herz Jesu Kirche wurde gründlich renoviert. Nach Beseitigung aller Kriegsschäden wurden Pläne für eine völlige Neugestaltung entworfen und der bischöflichen Behörde zur Genehmigung vorgelegt.
Am 10. Oktober 1962 war in Rom die Eröffnung des 2. Vatikanischen Konzils, in dem auch die liturgische Erneuerung beim Gottesdienst beschlossen wurde. Im Zuge der inzwischen genehmigten Pläne für die Neugestaltung der Kirche und im Hinblick auf das Konzil wurde der Hochaltar entfernt, ebenso die Kommunionbank.
War die Zeit, in der die Geistlichen ihren Schäfchen von der, ebenfalls entfernten Kanzel, die "Leviten" lasen, jetzt vorbei? Sicher nicht. Statt von der Kanzel wurde jetzt das Wort Gottes vom Ambo aus verkündet.
Die heiligen Messen, bisher in lateinischer Sprache zelebriert, wurden ab jetzt in der jeweiligen Landessprache vollzogen und begannen mit dem Schuldbekenntnis.

 

Die Kirche vor der Renovierung

Pfarrer Paul Heitvogt
5.4.1968 - 15.7.1991

Als am 25. März 1968 Pfarrer Scheulen die Gemeinde verlies, waren schon mache Veränderungen durchgeführt oder in die Wege geleitet worden. Als sein Nachfolger kam der noch amtierende Pfarrer Heitvogt in die Gemeinde. Seine Einführung erfolgte am 19.5.1968. Unter seiner Regie wurden die gefaßten Änderungsvorschläge ihrer Verwirklichung zugeführt.

Krippenfiguren ab 1968

Dazu gehörte auch die Anschaffung einer neuen Krippe, die von einer Kölner Künstlerin geschaffen wurde. Die Figuren der hl. Familie sind in beeindruckender Weise dargestellt und gekleidet. Alles Unwesentliche ist ihnen fern. An Weihnachten wird von Schulkindern eine Weihnachtsfeier in der Kirche gestaltet, in der die Krippe einbezogen ist.
Diese Feier wird von der seit Oktober 1968 in der Pfarre tätige Gemeindereferentin Maria Sieche sorgfältig geplant und einstudiert und von den Kindern mit großem Eifer vorgetragen. Wenn dann, wie einmal geschehen, der Darstellerin der Mutter Maria auch ein echtes reizendes Baby in die Arme gelegt werden kann, dann ist der Erfolg garantiert.

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