Der 2. Weltkrieg

Der Druck auf die Kirche im Allgemeinen wurde seitens der Machthaber immer spürbarer. Die bisher üblichen Kevelaer-Wallfahrten wurden verboten. Die Fronleichnamsprozession, bisher immer ein besonderes Ereignis, wurde stark eingeschränkt. Das Hissen der Kirchenfahnen an Häusern und Straßen war verboten. Das Halten der Prozession an den Altären war verboten. Der Segen konnte nur noch während des Weges erteilt werden. 

1. September 1939. Der 2. Weltkrieg brach aus und mit ihm eine neue Angst und neue Not. Wieder mußten Mütter ihr Söhne, Frauen ihre Männer und Kinder ihre Väter für einen Krieg hergeben, der sinnloser und grausamer war als alle Kriege vorher.
Kinder wurden auf das Land geschickt. Die Familien auseinander gerissen. Wieder mußten die Frauen in die Munitionsfabriken, wurden zum Militär als Helferinnen eingezogen, mußten in Berufen arbeiten, die bisher ausschließlich Männern vorbehalten waren.

Als die Zeit der großen Siege vorbei war, wurde der Krieg auch in unsere Stadt getragen. Die ersten Bomben fielen. Frauen hetzten mit ihren Kindern und ihrer wichtigsten Habe in die Erd- und Hochbunker, um vor den feindlichen Luftangriffen Schutz zu suchen. So manche Nacht wurde in den Verliesen zugebracht, nicht wissend, welches Bild der folgende Morgen bot.
Die erste Luftmine fiel auf der Köperstraße. Eine Abordnung aus Berlin kam angereist, um sich den Riesenkrater und die schweren Verwüstungen im weiten Umfeld anzusehen. Mehrere Personen erlitten zum Teil schwere Verletzungen.
In der Nacht vom Ostermontag auf den Osterdienstag des Jahres 1943 wurden 8 Personen aus der Gemeinde durch Bomben getötet. Bis November 1943 waren aus unserer Gemeinde bereits 94 Männer auf den verschiedenen Kriegsschauplätzen gefallen.
Unsere Kirche erlitt die schwersten Bombenschäden an Silvester 1944. Kein Fenster war mehr heil, schwere Blöcke aus dem Gewölbe lagen durch die Kirche verstreut. Durch die Fensterhöhlen waren in der Nähe der Kirche große Brände zu sehen. Starker Schneefall hatte den Beichtstühlen und Krippenfiguren weiße Hauben aufgesetzt. Die Tannen an der Krippe waren verschneit und das Chaos auf dem Boden war von einem großen, weißen Schleier gnädig eingehüllt.
Es dauerte Woche, bis die Fenster mühevoll mit Sperrholz- und Blechplatten zugenagelt waren. Aber schließlich war auch das bald geschafft.
In den Wohnhäusern sah es nicht besser aus. Abgedeckte Dächer, zerbrochene Fensterscheiben, defekte Wasserleitungen, Strom- und Gasausfall, total zerstörte Häuser waren Übel, an die man sich in den Kriegsjahren fast gewöhnt hatte.
Im Frühjahr 1945 setzte der erste Artilleriebeschuß ein. Ständiger Alarm und Tiefflieger zwangen die Menschen, sofern sie nicht in Arbeit standen, tagelang in Kellern und Bunkern zu hausen. Die hygienischen Zustände waren grausam. Ungeziefer kroch von Pritsche zu Pritsche und plagte die armen Menschen noch zusätzlich.

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