Ihr Leben

Thérèse von Lisieux wurde am 2. Januar 1873 als Marie-Françoise-Thérèse Martin in Alençon in Frankreich in der Normandie geboren. Sie war das jüngste Kind ihrer Eltern Zélie und Louis Martin und hatte acht Geschwister. Von den neun Mädchen erreichten nur fünf das Erwachsenenalter. Alle führten ein Ordensleben.
Ihre Mutter verstarb 1877 an Brustkrebs, als Thérèse gerade vier Jahre alt war. Der Vater zog mit seinen fünf Töchtern darauf nach Lisieux, wo der Bruder der Mutter eine Apotheke besaß.
Mit zehn Jahren wurde Thérèse schwer krank, ihre Heilung schrieb die Familie der Fürsprache Mariens zu. Aber sie bleibt zeit ihres Lebens kankheitsanfällig.


(Therese im Alter von 15 Jahren, kurz vor ihrem Eintritt in den Karmel; Quelle: Wikipedia/gemeinfrei).

Thérèse hatte schon als Fünfzehnjährige den Entschluss gefasst, in den Orden der Unbeschuhten Karmelitinnen einzutreten. Bereits zwei ihrer Schwestern waren vor ihr in den Karmel von Lisieux aufgenommen worden. Aber trotz der Unterstützung ihrer Familie wurde sie mehrfach wegen ihres jugendlichen Alters abgelehnt. Erst mit einer bischöflichen Ausnahmegenehmigung (Dispens) folgte sie ihren älteren Schwestern und wurde am 10. Januar 1889 eingekleidet. Ihr Ordensname lautete nun Theresia vom Kinde Jesus. Am 8. September 1890 legte sie die Profess ab.
Auf Anweisung ihrer Oberin schrieb sie ihre Kindheitserinnerungen nieder. Zwei Jahre nach ihrem Tod ließ der Orden ihre Lebenserinnerungen unter dem Titel „Geschichte einer Seele” veröffentlichen, so dass wir über ihr Leben recht gut informiert sind.

Therese von Lisieux: Selbstbiographische Schriften (Sammlung Spiritualis), Johannes-Verlag Einsiedeln, Freiburg, 16. Auflage 2009.

1896 erkrankte Thérèse an Tuberkulose. Im April 1897 war sie zu schwach für das Leben in Gemeinschaft und kam auf die Krankenabteilung des Karmels. Am 30. September 1897 starb sie. Ihre letzten Worte waren: „Mein Gott, ich liebe dich!“

Ihre Spiritualität

Was hatte Thérèse den Menschen zu sagen, das Gläubige bis heute berührt und zu einer Hilfe auf dem eigenen Glaubensweg werden konnte?

Beim Studium einiger alttestamentlicher Texte macht sie eine geniale Entdeckung, sie erkennt ihren „kleinen Weg”, wie sie ihre Spiritualität nennt. Kurz vor ihrem Tod hat sie dies ausführlich beschrieben. Seit ihrer Kindheit war sie getrieben von dem Wunsch, eine Heilige zu sein. Immer aber musste sie feststellen, dass ihr Traum unerreichbar war. Sie schrieb: „Ich habe mir immer gewünscht, eine Heilige zu sein; aber ach! wenn ich mich mit den Heiligen verglich, stellte ich stets fest, dass zwischen ihnen und mir derselbe Unterschied besteht wie zwischen einem Berg, dessen Gipfel sich in den Wolken verliert, und dem unscheinbaren Sandkorn.” Sie ließ sich von dieser Erkenntnis ihrer Unvollkommenheit aber nicht entmutigen, denn sie hatte begriffen, „der liebe Gott flößt keine unerfüllbaren Wünsche ein, ich darf also trotz meiner Kleinheit nach der Heiligkeit streben.” Aber wie sollte das gehen? „Ich muß mich ertragen, wie ich bin, mit all meinen Unvollkommenheiten. Aber ich will das Mittel suchen, um in den Himmel zu kommen, auf einem kleinen Weg, einem recht geraden, recht kurzen, einem ganz neuen kleinen Weg.” Und neu meinte sie ganz wörtlich. Auf ihren Reisen hatte Thérèse Fahrstühle kennengelernt und dieses Bild gebrauchte sie, um ihren neuen, kleinen Weg von ihren alten Versuchen, heilig zu werden, abzugrenzen. Fahrstuhl statt Treppe!
Im Buch der Sprüche Kap. 9 Vers 4 liest sie: „Wenn einer ganz klein ist, so komme er zu mir.” (wörtlich: „Wer unerfahren – oder einfältig – ist, kehre hier ein.”) Es ist die Einladung Gottes an die Kleinen, Unvollkommenen. Thérèse fühlte sich direkt vom Herrn angesprochen. Und sie nahm die Einladung an.

Wer sich tiefer mit dem „Kleinen Weg“ der Theresia von Lisieux beschäftigen will, werfe als Einstieg einen Blick auf die Seite „Mit leeren Händen – Die Botschaft der Thérèse von Lisieux“  im Ökumenischen Heiligenlexikon im Internet.

Ihre Verehrung

Theresia wurde schon zu ihren Lebzeiten bewundert, ihre Verehrung setzte unmittelbar nach ihrem Tode ein.

Ihr autobiografisches Hauptwerk wurde unter dem Titel „Geschichte einer Seele” zwei Jahre nach ihrem Tod veröffentlicht und wurde nach der Bibel zum meistgelesenen spirituellen Buch in französischer Sprache (Quelle: Wikipedia).

1923 wurde sie selig- und am 17. Mai 1925 von Papst Pius XI. heiliggesprochen. Am 14. Dezember 1927 erhielt sie den Titel „Patronin der Weltmission”. Am 19. Oktober 1997 wurde sie von Papst Johannes Paul II. zur Kirchenlehrerin erhoben. Ihr Gedenktag ist der 1. Oktober.

Ihre Eltern

Nicht nur Thérèse wurde von der Kirche heilig gesprochen, sondern auch ihre Eltern (Seligsprechung am 19. Oktober 2008, Heiligsprechung am 18. Oktober 2015).

Ihr Vater, Ludwig Martin, strebte als junger Mann ein Ordensleben an, was aber an fehlenden Lateinkenntnissen scheiterte. Er wurde Uhrmacher und heiratete Maria Azélie („Zélie”) Guérin, die ebenfalls vergeblich versucht hatte, in ein Kloster einzutreten. Von ihren neun Kindern starben vier früh. Die fünf Töchter, die das Erwachsenenalter erreichten, wurden allesamt Nonnen.

Zélie starb schon mit 45 Jahren an Brustkrebs. Der Vater zog mit seinen Töchtern darauf hin zur Familie seines Schwagers nach Lisieux in der Normandie. Nach zwei Schlaganfällen, lebte Ludwig Martin drei Jahre im Hospiz in Caen. Später kehrte er wieder nach Hause zurück, wo ihn seine Töchter Céline und Léonie bis zu seinem Tod pflegten.

Die tiefe Gläubigkeit der Eltern bildete die Grundlage für die Ordensberufungen der Töchter. Therese sagte über ihre Eltern: „Der liebe Gott hat mir einen Vater und eine Mutter gegeben, die mehr des Himmels als der Erde würdig waren.” (Zitiert nach Synode: 50.000 Pilger zu Ehepaar-Heiligsprechung erwartet). Bei der Heiligsprechung am 18. Oktober 2015 sagte Papst Franziskus in seiner Predigt: „Die heiligen Eheleute Louis Martin und Marie-Azélie Guérin haben den christlichen Dienst in der Familie gelebt, indem sie Tag für Tag eine Umgebung voller Glauben und Liebe aufbauten; und in diesem Klima sind die Berufungen ihrer Töchter aufgekeimt, darunter auch die der heiligen Thérèse vom Kinde Jesu.”

Kirchenpatronizien

© K. Sokolowski-Tinten

Theresienverehrung drückt sich nicht zuletzt auch in den Kirchenpatrozinien aus. Kirchen, die ihr geweiht und nach ihr benannt sind, gibt es in ganz Europa. Sogar in Kairo und selbst in Ost-Timor sind ihr Kirchen geweiht. Unsere St.Theresia vom Kinde Jesu-Gemeinde ist dabei eine der jüngeren. Theresia ist unserer Gemeinde bei jeder Gottesdienst-Feier besonders nah, denn auf dem Altar steht ein kleines Reliquiar mit kleinen Kleidungspartikeln der Heiligen.

Wer mehr wissen möchte …

… der findet im Internet eine Reihe von Webseiten, die sich mit der hl. Theresia vom Kinde Jesu beschäftigen. Einfach „Theresia von Lisieux“ in die Suchmaschine des Vertrauens eingeben und die eigene Erkundungstour kann beginnen.