Bis zum Jubiläum 1982

Ein neuer Kindergarten wird gebaut

Einweihung des neuen Kindergartens

Seit geraumer ZeiI schon befaßten sich Pastor und Kirchenvorstand mit dem Gedanken, einen neuen Kindergarten zu errichten. Alte Pläne der Architekten Funke und Craemer wurden dlskutiert und verschiedene Änderungswünsche vorgebracht. Ende April 1969 beschloß der Kirchenvorstand, besagte Architekten mit dem Kindergarten-Neubau zu beauftragen. Man ging schnellzu Werke, und Anfang Juli 1970 konnte der neue Kindergarten eröffnet werden. 90 Kinder wurden aufgenommen, im alten Kindergarten konnten weiterhin 46 Kinder betreut werden. Aus Zweckmäßigkeitsgründen suchte man geeignete Namen für die beiden Kindergärten. Der Vorschlag ,,St. Georg" und ,,St. Magdalena" fand auch bei den Mitgliedern des Pfarrgemeinderates allgemeine Zustimmung. Man wollte dadurch die Stifter des gesamten Kirchengrundstücks in dankbarer Erinnerung behalten: Georg und Magdalene Flesch, deren Patrone im Chorfenster der Kirche dargestellt sind. Die offizielle Eröffnung des neuen Kindergartens fand am 3. Adventsonntag, dem 13. Dezember 1970 statt. Der Weihe und Segnung folgte ein Festakt im Vereinshaus, zu dem Ehrengäste aus Stadt, Land und Dekanat eingeladen waren. So hatte sich die Gemeinde nach Worten des damaligen Stadtdechanten Knappmann selber zum Segen der Kinder ihr Christkind bereitet.

Einweihung der neuen Orgel - Festtag für die Gemeinde

Mit einer kirchenmusikalischen Feierstunde wurde am Sonntag, dem 20. April 1975, die neue Orgel eingeweiht. Unsere Gemeinde nahm regen Anteil, bis auf den letzten Platz war die Kirche besetzt. Chorleiter und Organist Wolfgang Schwering war für das musikalische Programm verantwortlich, und der Chor zeigte sich von der besten Seite. Nach der Feierstunde konnte, wer Lust und lnteresse hatte, einen Blick hinter die Kulissen tun: Wolfgang Schwering gab Erläuterungen zum neuen lnstrument. Bevor jedoch die Herz-Jesu-Gemeinde diesen Festtag begehen konnte, mußte der Kirchenvorstand in zähen Verhandlungen so manche Schwierigkeiten aus dem Wege räumen. Das Generalvikariat zeigte ablehnende Haltung bezüglich der Umgestaltung des Chores und der Aufstellung der Orgel im Chorraum. Dabei hatte sich der Kirchenvorstand um Meinungsbildung auf breitester Grundlage bemüht mit dem Ziel, die Orgel am günstigsten Plalz zu installieren. Laut fachlicher Entscheidung - auch der Bistumssachverständige schloß sich diesem Vorschlag an - war der Chorraum bezüglich Akustik der geeignele Platz. lm September 1971 hatte man sich dazu entschlossen. An der Zeitspanne mag der Leser erkennen, welch enorme Schwierigkeiten dle Vertreter der Gemeinde auszuräumen hatten.

lm Juni 1973 wurde der Orgelbaufirma Breil in Dorsten der Auftrag erteilt, das neue lnstrument zu erstellen.

Ein Jahr später begann man mit den vorbereitenden Arbeiten im Chorraum (Altar und Baldachin, oberste Stufe im Chorraum und der Seitenaltar wurden beseitigt).

 

Konsekration des neuen Altares

Bedingt durch die neue liturgische Form sollte der alte Altar durch einen neuen ersetzt werden.

Aus dem französischen Savoniere in der Nähe von Nancy in Südfrankreich kam der blendend weiße Kalkstein in zwei Blöcken. Gut sechs Wochen war der Kirchhellener Bildhauer Gottfried Kappen täglicher ,,Gast" in unserer Kirche. Am 5. Februar 1977 konsekrierte Weihbischof Julius Angerhausen im Rahmen einer feierlichen Vorabendmesse den neuen Altar. Die Kirche konnte die Gläubigen kaum fassen, die bei dem Festamt dabei sein wollten. Nach der Feier hatte der Pastor zu einem Stehkonvent im Pfarrhaus eingeladen.

Neuer Kreuzweg gestaltet

Zwei Monate nach der Konsekration des neuen Altaresfolgte in Verbindung mit einer Bußandacht die Weihe des neuen Kreuzweges. Pater Columban aus dem Konvent der Franziskaner in Dorsten nahm diesen Weiheakt vor.(Seit dem 14. Jahrhundert hat der Franziskanerorden als,,Hüter der hl. Orte" das Privileg, Kreuzwege zu errichten und zu weihen.) Der Kreuzweg wurde ebenfalls von dem Kirchhellener Künstler Gottfried Kappen gestaltet.

Bau eines neuen Pfarrzentrums

Schon im Sommer 1973 wurden erste Entwurfspläne von dem Architekten, Herrn Sievers, vorgelegt. Als Standort des neuen Pfarrzentrums hatte er zwei Bau plätze vorgeschlagen: an der Oskarstraße zwischen Pastorat und OskarstraBe 25, an der lnselstraße hinter dem Chor der Kirche. Der Kirchenvorstand entschloß sich für den Bauplatzan der lnselstraße.

ln der Gemeinde herrschte großes lnteresse für den Neubau, dessen Grundsteinlegung im Oktober 1976 stattfand. ln einer Bauzeit von neun Monaten wurden nach den Plänen des Architekten R. Sievers zwei große Tagungsräume (52 und 26 m²), ein Saal mit Nebensaal sowie eine Kegelbahn errichtet. Finanziert wurde der Bau des Zentrums durch Eigenmittel der Pfarrei und durch Zuschüsse des Bistums.

Die zusätzlich vorgesehenen Räume der Altenbegegnungsstätte konnten vom Bistum aus finanziellen Gründen nicht bewilligt werden. Zu einem späteren Zeitpunkt sollen sie in einem zweiten Bauabschnitt das Gemeindezentrum vervollständigen. Eine komplett eingerichtete Küche und die Kegelbahn bieten die Möglichkeit, den geselligen Teil des Gemeindelebens stärker als bisher zu pflegen. Für private Veranstaltungen und Feiern stehen die Räumlichkeiten ebenfalls zur Verfügung.

Der Festtag der Einweihung am 3. Juli 1977 wurde mit der Eucharistiefeier begonnen, die vom Kirchenchor weitgehend mitgestaltet wurde. lm Anschluß daran fand die Segnung des Gemeindezentrums durch Pfarrer Paul Heitvogt statt. Am Nachmittag nahmen viele Gemeindemitglieder die Gelegenheit wahr, ihr neues Pfarrzentrum in Augenschein zu nehmen. Bei Kaffee und Kuchen pflegte man Geselligkeit, es wurde gefachsimpelt, und manche waren sicherlich schon beim zweiten Bauabschnitt.

Besondere Tage im Leben der Pfarrgemeinde

lm Mai 1973 feierte unser Pfarrer Paul Heitvogt sein silbernes Priesterjubiläum. Gar manche, besonders der Kirchenchor, werden sich noch gern an die Jubiläumsnachfeier in seiner Heimatpfarre Beelen erinnern.

Seit Oktober 1978 ist unser Pastor Dechant des Dekanates Sterkrade. Trotz der vielen neuen Aufgaben, die auf einen Dechant notwendigerweise zukommen, braucht sich die Gemeinde Herz-Jesu keine Sorgen zumachen, daß sie von ,,ihrem" Pastor vernachlässigt wird.

Vielen Pfarrangehörigen wird ein Oktobersonntag des Jahres 1955 noch in Erinnerung sein. ln jenen Tagen kehrten die letzten Kriegsgefangenen aus russischer Gefangenschaft heim. Auch unsere Gemeinde wartete noch auf einen Spätheimheimkehrer: Bernhard Hartmann vom Postweg. Mit dem Auto wurde er vom Durchgangslager Friedland abgeholt; es war der 16. Oktober. Wie ein Lauffeuer hatte sich diese Kunde in derGemeinde verbreitet. Der Postweg stand im Schmuck von Fahnen und Girlanden, und die Kirche konnte am Abend nicht alle fassen, die die Heimkehr miterleben wollten. Unter dem Klang der Orgel führte Pastor Awik den Heimkehrer zum Altar, und mit den Worten: ,,Hier habt lhr Euren Sohn wieder", wurde B. Hartmann nach 11jähriger Kriegsgefangenschaft wieder in seine kirchliche Heimatgemeinde aufgenommen. Bewegt sang die Menge das ,,Großer Gott, wir loben Dich"; unter den Klängen eines Spielmannszuges, von vielen Hunderten begleitet, wurde der ,,letzte Heimkehrer" zu seinem Elternhaus Postweg 132 geführt.

Vielleicht fragt mancher beim Lesen dieser Zeilen, was diese rührselige Geschichte im Getriebe und in der Hektik unserer Tage in dieser Festschrift zu suchen hat. Dies sei die Antwort: damals grassierte noch nicht die menschliche lsoliertheit, die heute unserer Zeit den Stempel aufgedrückt hat. Es mag zum Nachdenken anregen, ob wir nicht wieder mehr Brücken zueinander schlagen sollten.

Als ein besonderer Tag im Leben der Pfarrgemeinde kann die jährliche Fronleichnamsprozession herausgestellt werden. Wo bringt eine Gemeinde ihr Bekenntnis nach außen hin deutlicher zum Ausdruck?Wie schon an anderer Stelle erwähnt, fand im Jahre 1914 die erste Fronleichnamsprozession statt. Bemerkenswert, daß seit dieser Zeit das Aufstellen und Ausschmücken der Segensaltäre eine ,,Familientradition"geworden ist: an der Köperstraße Familie Belting, an der Kirchhellener Straße Ecke Bremener Straße die Familie Lutz/Nierendorf und auf der Reinersstraße Familie Grundmann/Lakes. An dieser Stelle sei ihnen und ihren Helfern aus der Nachbarschaft dafür Dank gesagt, daß sie scheinbar wie selbstverständlich dazu beitragen, das Gesamtbild der Fronleichnamsprozession mitzugestalten und zu verschönern.

Segensaltar Kirchhellener Str/Bremener Str
Segensaltar Köperstr
Segensaltar Olgastr
 

Festlicher Einzug in die neugestaltete Kirche

Wie stets im Leben des Menschen Jubiläen einen besonderen Akzent setzen, so macht sich auch eine Gemeinde Gedanken, wenn sie Jubiläum feiert. Schon seit geraumer ZeiI stand auf der Tagesordnung des Kirchenvorstandes ,,Renovierung und Gestaltung des lnnenraumes unserer Kirche". Ein Anstrich war von nöten; der Kirchenmaler Berchem aus Essen erhielt den Auftrag, unmittelbar nach Jahresbeginn die Arbeit anzufangen. 14 Tage vor Ostern sollte der Termin der Fertigstellung sein. Nachdem am Neujahrstag der letzte Gottesdienst gehalten war, begann man tags darauf mit dem Ausräumen der Kirche. Die Beichtstühle rückte unser Pastor aus eigener Kraft von der Wand; er war der Meinung, daß sie heutzutage nicht mehr so sehr von Sünden beladen sind. Männer aus den Reihen der KAB und Jugendliche schafften die schweren Bänke aus der Kirche und transportierten sie zum Werksgelände der GHH Sterkrade, wo sie in einer schützenden Halle überwinterten. Bald war die Kirche bis ins Gewölbe ausgerüstet, und die Arbeit ging zügig vonstatten. Kein Grund war vorhanden, anzunehmen oder gar zu befürchten, der Termin der Fertigstellung könne nicht eingehalten werden. lnzwischen war der Saal des Pfarrzentrums als ,,Notkirche" zur Feier der Gottesdienste hergerichtet worden. Es war schon eine Einschränkung; gar mancher feierte in den benachbarten Gemeinden den Gottesdienst mit, und allenthalben fragte man, wann es wieder so weit sei.

Doch mit der Geschickes Mächten . . . Unvorhergesehenes war eingetreten: beim Abkratzen der Seitenwände waren hier und da Risse ans Tageslicht gekommen, deren Ursache Bergschäden waren. Nun hieß es schnell handeln; die Malerarbeiten fortsetzen zu lassen, nur um den Termin zu retten, wäre purer Unsinn gewesen. Gott sei Dank gelang es den Verantwortlichen, unverzüglich die Bergschäden beseitigen zu lassen. Verständlich wohl für jedermann, daß dadurch der erste Termin nicht eingehalten werden konnte. Bedauerlich oder gar enttäuschend für manche, die anstehende Familienfeierlichkeiten wie Erstkommunion, Hochzeit, Kindtaufe nicht in der Kirche feiern konnten. Auch das Osterfest mußte die Gemeinde im Pfarrzentrum begehen. Sehr zum Leidwesen des Pastors selbst. Aber es ging doch noch relativ zügig vonstatten. Ende April konnten die Gerüste abgebaut werden.

Wieder fand sich eine große Schar von Frauen, Männern und Jugendlichen bereit, um die Kirche wieder einzurichten. Es fließen die Worte so schnell dahin; welch große Anstrengung und wieviel Mühe sich dahinter verbergen, mit welchem Eifer Helfer und Helferinnen bei der Sache waren, das sollte an dieser Stelle lobend erwähnt werden. Als am Samstagabend, dem 8. Mai, die Glocken läuteten und zum ersten Gottesdienst in die Kirche luden, hatte sich erfreulicherweise eine große Anzahl von Gemeindemitgliedern am Pfarrzentrum versammelt. ln feierlicher Prozession, an der Spitze die Kommunionkinder, wurde das Allerheiligste in die Kirche gebracht. Der Kirchenchor St. Barbara aus unserer Nachbarstadt Bottrop - jene Pfarre, die unser ehemaliger Kaplan Rudi Garus als Pastor betreut- trug unter Leitung von Wolfgang Schwering dazu bei, den ersten Gottesdienst in der neugestalteten Kirche durch gesangliche Darbietung festlich zu umrahmen Abschließend darf an dieser Stelle wohl zum Ausdruck gebracht werden, daß die ganze Gemeinde von dankbarer Freude erfüllt ist über das schöne Gotteshaus. Es liegt an uns, daß wir hier Gemeinde erleben und erfahren und das Erlebnis Gestalt werden lassen. Könnte es für die Gemeinde ein schöneres Jubiläumsgeschenk geben?