Denkanstöße für den Alltag

In dieser Abteilung möchten wir Ihnen nicht nur den spiri.IMPULS, einem Faltblatt, dass sich besonders an die Jugend richtet, anbieten. In regelmäßigen Abständen werden interessante Anstöße zu Ihrem Glaubensweg im Alltag erscheinen. So bieten wir Ihnen z.B. Predigten aus der letzten Zeit oder einen aktuellen Impuls zu einem Thema.

 

 

04.06.2017

spiri.IMPULS - Weltrekord

Der spiri.IMPULS August 2017 ist erschienen.

Pastor Hans-Jürgen Vogel schreibt über seine Gedanken zum Weltrekordversuch im Landschaftspark Duisburg. Es soll die größte Sandburg entstehen.

Den spiri.IMPULS jetzt herunterladen ---> gebongt!

 

 

12.06.2017

Die Stimme aus dem Off

"Wo bleibt der Pfingstgedanke?" lautet ein Zuruf aus der versammelten Menge an die Redner des Zukunftstages 2.0 der Pfarrei St. Clemens. Damit hat natürlich niemand gerechnet. Man bereitet sich darauf vor sich kleiner zu stellen und sogar die bittere Pille zu schlucken die da lautet: "... wir müssen uns von einigen Immobilien trennen. Und ja, es werden wohl auch Kirchen dabei sein."

Ich beziehe mich in diesem Statement ausschließlich um diese eine Frage: "Wo bleibt der Pfingstgedanke?", weil er in der folgenden Zeit einiges in mir ausgelöst hat. Davon möchte ich berichten und entferne mich dabei mitunter von der Intension des Zurufers.

Wo bleibt dabei der Pfingstgedanke? Diese Frage müssen wir uns alle stellen. Sich zurückzuziehen und in der Gesellschaft kaum mehr wahrgenommen zu werden hat sicher nicht viel zu tun mit dem, was damals in Jerusalem die Apostel ergriffen hat. Vom Geist getrieben traten sie aus ihren Verstecken. Sie mussten der Welt einfach erzählen von ihrer persönlichen Erfahrung mit dem lebendigen Gott, der ihr Leben, ihre ganze Existenz, von Grund auf umgekrempelt hat. Nichts ist mehr so wie es vorher war. Die Wahrheit muss ans Licht und der Welt verkündet werden.

Und Gott schaut nicht untätig zu, wie sich die Apostel abstrampeln und verzweifelt versuchen sich verständlich zu machen. Er sorgt dafür, dass das gelingen kann, was keiner für möglich gehalten hat. Die Botschaft verhallt nicht in den Gassen von Jerusalem sondern fällt in die Herzen eines jeden Zuhörers. Die Botschaft erreicht die Menschen und noch mehr. Die Botschaft wird von ihnen aufgenommen und verstanden. Selbst über Sprachbarrieren hinweg wird die frohe Botschaft vom auferstandenen Jesus Christus verstanden. Eine unerhörte Botschaft, die viele Gegner hat, breitet sich aus und beginnt ihren Siegeszug um den ganzen Erdkreis. Das ist Pfingsten!

Und wo ist Pfingsten heute? Haben wir uns auch nur halb so stark ergreifen lassen von der Botschaft des Evangeliums wie die Apostel damals? Oder ziehen wir uns in unser Schneckenhaus, unserem vertrauten Kirchbau zurück und hoffen, dass wir einigermaßen unbeschadet die Krise überstehen?

Pfingsten muss uns aus den Gemäuern heraustreiben. Pfingsten muss uns drängen tatkräftig anzupacken, wenn es darum geht an der Kirche Jesu Christi zu bauen. Da heißt es: "Wir müssen Rücklagen bilden, damit wir zukünftig anstehende Reparaturen finanzieren können." Sorgen wir uns da nicht allzu sehr um die Steine unserer Gebäude und vergessen dabei die Menschen denen es gilt die frohe Botschaft zu verkünden, in Wort und Tat?

"Macht euch also keine Sorgen und fragt nicht: Was sollen wir essen? Was sollen wir trinken? Was sollen wir anziehen? Denn um all das geht es den Heiden. Euer himmlischer Vater weiß, dass ihr das alles braucht. Euch aber muss es zuerst um sein Reich und um seine Gerechtigkeit gehen; dann wird euch alles andere dazugegeben." (Matthäus 6,31-34)

Pfingsten passiert auch heute. Pfingsten passiert immer da, wo Menschen sich vom Heiligen Geist ergreifen lassen und es zulassen, dass er seine Wirkung in ihnen entfaltet. Und seine Wirkung ist nicht Ohne. Da passieren auch heute noch Wunder. Nur, warum fällt es uns so schwer an ein Wunder in dieser Dimension zu glauben? Wir selber können so ein Wunder sicher nicht auf die Beine stellen. Da braucht es schon ein gehöriges Zutun von oben. Aber dieses Zutun ist uns auch zugesagt: Sorgt euch zuerst um sein Reich und seine Gerechtigkeit, dann wird euch alles andere dazugegeben.

Dann werden wir es erleben. Dann werden wir am eigenen Leib feststellen, wie der Geist Gottes alles verändert, was für uns bereits feststand. Dann werden wir ergriffen sein vom Pfingstgedanken, den der unbekannte Zurufer eingefordert hat. Dann werden wir erkennen, dass Gott selbst durch diesen Zurufer zu uns gesprochen hat. Gott selbst erinnert uns daran, dass nicht wir es sind, die Veränderung bewirken können. Aber auch daran, dass er selbst es ist, der sich für jeden einzelnen interessiert und dass es ihm deshalb auch daran gelegen ist, dass wir alles Nötige zum Leben erhalten.

Gedanken zu einem Pfingstereignis am Zukunftstag 2.0 am 10, Juni 2017 in St. Theresia vom Kinde Jesu
von Günter Beck

04.06.2017

Pfingstpredigt 2017

Die Pfingsterzählung spricht von Feuer und Sturm.

Es sind Bilder, die uns vertraut sind. Immer werden uns die Verheerungen, die Feuer und Sturm anrichten, vor Augen geführt. Da sind sog. Elementarmächte, weil sie unberechenbar und plötzlich auftreten können und unser Leben total aus der Bahn werfen und verändern.

Mir sind dann aber auch andere Wirkungen von Feuer und Sturm eingefallen, die durchaus auf das Pfingstereignis zutreffen.

Wir sprechen davon, dass Feuer etwas ausbrennen kann.

Vielleicht erinnern wir uns an Erzählungen aus unserer Kindheit von Schlangenbissen, deren Gift durch Feuer ausgebrannt wurde. Wir sprechen davon dass Menschen von Überforderungen, von Stress und Hetze ausgebrannt sind.

Die Wirkung des Ausbrennens ist, dass etwas von uns schmerzhaft beseitigt wird.

Schauen wir in unsere Lebenswelt, dann können wir durchaus darum bitten, das der Geist Gottes das eine oder andere ausbrennt, was uns unfähig macht, Gottes Liebe zu erfahren.

Wir leben oft oberflächlich, weil die wir die vielen Eindrücke gar nicht alle sortieren können. Damit sind wir auch anfällig für Halbwahrheiten oder Lügen, die in die Welt gesetzt und uns als Wahrheit verkauft werden. Fakes beeinflussen Menschen bei ihren politischen Entscheidungen, in ihrem Kaufverhalten, in ihren Beziehungen zu anderen Menschen.

Wir sollten den Geist Gottes herabrufen, dass er unsere Oberflächlichkeit ausbrennt, damit wir hinter Dinge schauen und in die Tiefe finden und damit näher zur Wahrheit.

Wir kommen gerne hoch hinaus, wir möchten gelten und glänzen, wir möchten gehört und anerkannt werden; wir möchten im Mittelpunkt stehen. Damit verlieren wir schnell den Blick auf die Menschen neben uns; auf die Menschen, die oft kaum bemerkt werden.

Wir sollten bitten, dass Gottes Geist unseren Hochmut und unsere Überheblichkeit ausbrenne.

Wir urteilen oft sehr schnell, ohne zu differenzieren; verurteilen Menschen, ohne ihre Gründe für ein Verhalten zu kennen.

Der Geist Gottes möge diese Vorurteile aus uns ausbrennen. damit wir anderen gegenüber gerechter werden.

Ich könnte noch mehr Verhaltensweisen aufzählen, die ein gutes Miteinander unmöglich machen.

Wenn wir Gottes Geist in und an uns wirken lassen, dann wird das schmerzhafte Veränderungen mit sich bringen, uns aber auch heilen und damit offen machen für Neues.

Wir sprechen davon, das sich etwas in uns einbrennt. Wir kennen Brandzeichen, wir kennen prägende Erlebnisse.

Gottes Geist hat den Jüngern Jesu die Überzeugung eingebrannt, dass Jesus, der Auferstandene, dem Leben Sinn geben kann, der über den Tod hinaus reicht. Die Erfahrungen mit Jesus haben sich so in sie eingebrannt, dass sie davon gezeichnet wurden. Das sind ja immer auch Verletzungen, wenn etwas eingebrannt wird.

Denken Sie einmal darüber nach, ob sich der Glaube, die Begegnung mit Jesus, die Erfahrungen des umwälzenden Hl. Geistes in sie eingebrannt hat; und wie Sie und wir als Gemeinde uns diesem Wirken des Hl. Geistes öffnen können. Nur wenn wir „gebrannte Kinder“ sind, können wir etwas davon erzählen und andere etwas an uns bemerken.

Und damit kommt eine weitere Wirkung des Gottesgeistes ins Spiel: Feuer frisst sich weiter und wird durch Sturm noch mehr angefacht.

Es erstaunt in den Briefen des NT, dass die junge Kirche so missionarisch ist; dass sie sich in Windeseile ausbreitet, in wenigen Jahrzehnten sich über den damals bekannten Erdkreis verbreitet.

Den Hl. Geist, der einmal Menschen erfasst hat, kann man nicht auslöschen. Der frisst sich weiter durch Köpfe, Herzen und Hände.

Und manchmal auch versteckt unter der Asche, kaum zu sehen.

Pfingsten sagt uns: Wenn wir dem Hl. Geist nicht gewaltsam Blockaden entgegen setzen, wird er sich in uns und unsere Gemeinden weiter fressen und eine ungeheure Wirkung entfalten.

Hans-Jürgen Vogel, Pastor

27.05.2017

Christi Himmelfahrt – Herausforderung, erwachsen zu werden

Eltern merken irgendwann, dass ihre Kinder sie nicht mehr brauchen.
Die Kinder sagen oder zeigen: das will ich alleine machen; sie wollen alleine essen, sich anziehen, Rollschuhe oder Fahrrad fahren …

Jugendliche sagen dann: das ist mir peinlich, wenn die Eltern sich in ihre Gespräche einmischen und unbedingt ihre Meinung einbringen wollen; wenn Jugendliche Freund oder Freundin mit nach Hause bringen, auf ihr Zimmer gehen und Eltern dauernd reingucken …

Es gibt aber auch auch Situationen, da fehlen auf einmal die Eltern, obwohl die Kinder schon selbständig sind. Sie fühlen sich unsicher, hätten sie gerne in ihrer Nähe, brauchten ihren Rat.
Aber dann heißt es: selbst nachdenken, entscheiden und Verantwortung übernehmen.

Heute feiert die Kirche Christi Himmelfahrt: Jesus lässt seine Freunde alllein; jetzt müssen sie erwachsen werden, alleine fertig werden mit ihren Erfahrungen aus drei Jahren mit Jesus: da gibt es viele Erinnerungen an die Zeit, wo sie mit Jesus zusammen waren; da sind noch Trauer und Schmerz in ihnen über das Scheitern seiner Pläne; Zweifel, ob sie nicht Traumgesichten nachlaufen, wenn sie von seiner Auferstehung erzählen.

Uns geht es heute ähnlich wie den Freunden Jesu: Wir haben ihn nie gesehen; wir haben seine Stimme nicht gehört – und sollen glauben, dass er lebt; dass er da ist und in unserem Leben eine Rolle spielen will.
Da ist oft mehr Unglaube in uns als Zustimmung.

Am Ende der Lesung von der Himmelfahrt Jesu aus der Apostelgeschichte heißt es:
Was steht ihr da und schaut zum Himmel empor?“

Jesus spürt die Angst seiner Freunde. Er sagt ihnen: Jetzt müsst ihr alleine fertig werden. Ich habe Euch lange genug gezeigt, wie ihr euer Leben angehen sollt. Ihr habt bei mir sehen und hören können, was mich wirklich umtreibt, wovon mein Herz voll ist. Ich habe Euch vieles erklärt und euch mitgenommen an Orte der Stille und des vertrauten Gespräches, in Auseinandersetzungen; ich habe euch erfahren lassen, was Spott und Anfeindung mit euch machen.                                 

Jetzt müsst ihr mutig sein. Vertraut mir. Ich lasse euch nicht allein. Ich schicke euch meinen Geist. Der wird Euch mit Kraft und Phantasie erüllen.

Christ Himmelfahrt ist der Zeitpunkt, wo Jesus seinen Freunden die Verantwortung für sich und andere übergibt - wie Eltern, deren Kinder ausziehen, eine eigene Wohung nehmen als Studedentin, als Student, bei der Heirat. Die Eltern sind nicht mehr da, die Kinder können sie noch anrufen, um Rat fragen, aber im Augenblick der Entscheidung sind sie auf sich selbst gestellt.

So ist das auch mit uns Christen. Jetzt sind wir selber dafür verantwortlich, uns immer wieder an die Zeichen und Worte Jesu zu erinnern; uns um das Gespür für seine Nähe zu bemühen; anderen zu erzählen, wie und warum wir glauben.
Jetzt sind wir die Gestalter seiner Kirche, jede und jeder Einzelne. Da kommt Angst in uns auf. Aber Jesus hat seinen Freunden das Versprechen gemacht


Ihr werdet die Kraft des Hl. Geistes empfangen“:


Das heißt aber nicht, dass nur die Amtsträger den hl. Geist empfangen werden. Die Pfingstgeschichte und die Apostelgeschichte sprechen immer wieder davon, dass alle, die an Jesus Christus glauben, vom Hl. Geist erfüllt wurden.
Und wenn wir aufmerksam die ganze Apostelgeschichte lesen und etwa in die Briefe des hl. Paulus an die Gemeinde in Korinth hineinschauen, dann merken wir, dass der Geist Gottes die frühe Kirche gewaltig durcheinander gewirbelt hat; dass die Apostel und Gemeindeverantwortlichen Mühe hatten, ein Chaos zu verhindern und eine Ordnung zu schaffen, in der alle zu ihrem Recht kommen.

Das zu wissen, ist für heute wichtig.
Unsere Gemeinden werden vielfältiger, das Leben läuft nicht so geordnet ab wie in früheren Jahrzehnten und Jahrhunderten.
Aber der Hl. Geist wirkt auch in den heutigen Gemeinden. Wir müssen ihn nur ein Stück weit gewähren lassen, dürfen ihn nicht einsperren in die Käfige der Tradition.
Wir dürfen auf die Zusage Jesu vertrauen: „Ihr werdet die Kraft des Hl. Geistes empfangen. Und der wird Euch Sicherheit geben. Ihr werdet immer wieder merken, dass ich da bin und in Euch bin und Euch zeige, wie ihr als Christen leben sollt.

Hans-Jürgen Vogel, Pastor

01.07.2016

spiri.IMPULS - Das macht mich wütend

 

Der neue spiri-IMPULS ist raus und kann heruntergeladen werden.

Aus dem Inhalt:

  • Das macht mich wütend - Gedanken wie wir mit Gottes Schöpfung umgehen
  • PEP - Der Pfarreientwicklungsprozess
  • "Touch me" - Experimenteller Gottesdienst in St. Konrad
  • Gott ist wie eine gute App - Wie steht es mit der Datensicherheit

Also wieder jede Menge Input für Dich. Jetzt downloaden ---> Jepp!

 

 

07.06.2016

Predigt zum 10. Sonntag im Jahreskreis C 2016

Liebe Schwestern und Brüder,

Totenerweckung. Wir kennen die Erzählung. Wir wissen aus dem jüdischen kulturellem Umfeld: Wenn eine Frau, eine Witwe, ihren einzigen Sohn verliert, ist sie ohne Zukunftsperspektive. Da ist niemand mehr, der für sie sorgt. Sie hat keinen familiären Rückhalt mehr, ist angewiesen auf die Hilfe von Nachbarn, auf Almosen; darauf, dass sie irgendwo auf den Feldern hinter den Schnittern hergehen kann, um etwas von der Ernte mitzubekommen. Im Grunde ist so eine Frau gesellschaftlich tot.

Jesus, der mit seinen Freunden gerade in die Stadt kommt, weiß um die aussichtslose Situation einer solchen Frau. Man hat ihm davon gerade erzählt.

„Er hatte Mitleid mit ihr und sagte zu ihr: ‘Weine nicht!‘ Dann ging er zu dem Sarg und berührte ihn.“

Eine kleine Geste, die so viel aussagt übe diesen Jesus von Nazaret. Er lässt sich berühren vom Schmerz und der Not dieser Frau; er hat einen Blick für sie; er sieht weiter in die Zukunft und er berührt heilend den jungen Mann, schenkt Mutter und Sohn neues Leben.

„Junger Mann, ich sage, dir steh auf!“ Da richtete sich der junge Mann auf und begann zu sprechen, und Jesus gab ihn seiner Mutter zurück.“

Wenn ich heute über Barmherzigkeit sprechen soll – so hat es das Pastoralteam uns aufgetragen -, dann sehe ich in dieser Erzählung ein Paradebeispiel dafür, was „barmherzig sein“ heißt.

Eine Situation wahrnehmen – die Auswirkungen auf die Zukunft voraussehen – sich im Inneren berühren lassen und dann handeln. Nicht um losgelöst vom Alltag der Betroffenen etwas zu verändern, sondern diese eine Situation aufzusprengen:

Da steht nicht: Er machte ihn wieder lebendig; der junge Mann selbst sollte wieder eine Zukunft haben; da heißt es: er gab ihn seiner Mutter zurück. Jesus will: dieser junge Mann soll weiter die Barmherzigkeit leben, die er bisher schon seiner Mutter gezeigt hat; sie war ja auf ihren einzigen Sohn angewiesen.

Barmherzigkeit leben heißt also nicht: die ganze Welt umarmen, überall helfen, sondern ähnlich wie in der Erzählung vom barmherzigen Samariter: für diejenige oder denjenigen da sein, die mir vor die Füße fallen und Hilfe benötigen.

Ich will versuchen, diese Worte, die barmherziges Handeln ausmachen, noch zu verdeutlichen.

Die Situation wahrnehmen. Wir leben in einer Gesellschaft, in der die Welt mit ihren Katastrophen, Kriegen, Gewalttaten durch die neuen Medien ständig gegenwärtig ist. Schrecklich ist das alles! Weil wir von so vielen Eindrücken und Herausforderungen hin und her gezerrt werden, schotten sich viele Menschen ab, verdrängen die Eindrücke und Bilder, weil sie nicht mehr zu verarbeiten sind und ein normales Leben erschweren. Es ist eine Gesellschaft entstanden, die wenig Empathie zeigt; in der sich viele nicht mehr berühren lassen von der Not und der Verzweiflung anderer. Für mich heißt dann „Situation wahrnehmen“: an einer Stelle, wo mir eine Notsituation auffällt, nicht vorbeigehen, genauer hinsehen, die Umstände registrieren und sortieren.

Auswirkungen voraussehen: Ich überlege, welche Chancen diejenigen haben, die mich da in ihrer Hilflosigkeit anschauen; ob sie aus eigener Kraft herauszufinden aus dieser verfahrenen Lage. Ob ‚abwarten‘ womöglich die Situation verschlimmert.

Sich im Inneren berühren lassen: Mir wird bewusst, dass da jemand oder mehrere in einer ausweglosen Lage sind; es zerreißt mir das Herz, wenn ich das stumme Leiden, das Weinen, die Verzweiflung wahrnehme, ihr Schicksal berührt mich tief in meinem Inneren.

handeln: Wenn ich dann klar erkenne: ich bin gefragt, ich muss anfangen, etwas zu tun; ich kann andere zur Hilfe rufen … dann muss ich mich bücken und Hand anlegen. Das kann in vielfacher Weise geschehen; ich kann selber meine Möglichkeiten nutzen; ich kann Kontakte herstellen; ich kann auch erst einmal Trost und Anteilnahme zeigen.

Ich denke: Barmherzigkeit muss ein Profil haben, das sofort einleuchtet und deshalb ansteckend wirkt.

Wenn ich das so beschreibe, dann wird mir gleichzeitig klar: so zu leben, erfordert eine Kraft, die nicht aus mir alleinkommt.

So ist es gut, auch den Text aus dem Galaterbrief noch heranzuziehen. Paulus spricht von der Erfahrung seiner Berufung. Er weiß, dass es Gottes Ruf war, der ihn umgekrempelt und ihn zum rastlosen und glaubwürdigen Zeugen des Evangeliums gemacht hat; der in ihm Glauben und Tun zusammenspielen ließ und Paulus so eine ungeheure Wirkkraft gegeben hat.

Aus der Verbundenheit mit Jesus kommt auch uns die Kraft und die Phantasie, Barmherzigkeit so zu leben, dass die Menschen durch unser Handeln ein wenig mehr von Jesus Christus erfahren. 

Hans-Jürgen Vogel, Pastor